Kontakt Impressum
  Home

  Nachrichten

  Kurzmeldungen

  Termine


  Appellfälle

  Eilaktionen

  Erfolge


  Bücher
  und Autoren


  Buchtipps

  Filmtipps

  Neu-
  erscheinungen


  Wir über uns

  Unsere Arbeit

  Mitmachen

  Spenden


  Amnesty
  International


  Berichte
  und Aktionen


  Weitere Links


Länderberichte, © Amnesty International Länderberichte
Äthiopien


EinSatz für die Menschenrechte, Amnesty International
AI-Kampagne



 
Koordinationsgruppe 2907, Amnesty International
 


Äthiopien

Nationalflagge Demokratische Bundesrepublik Äthiopien


Serkalem Fasil, Foto: © Amnesty International
Journalistin Serkalem Fasil


Award für Serkalem Fasil

Preis für den mutigen Einsatz als Journalistin

Die ehemalige politische Gefangene Serkalem Fasil ist von der International Women's Media Foundation (IWMF) mit einem Preis für ihren mutigen Einsatz als Journalistin ausgezeichnet worden. Weitere Preisträgerinnen im Jahr 2007 sind die engagierte mexikanische Journalistin Lydia Cacho und sechs Journalisten aus dem Irak: Huda Ahmed, Shatha al Awsy, Sahar Issa, Alaa Majeed, Zaineb Obeid und Ban Adil Sarhan.

Die äthiopische Journalistin war im April 2007 aus der Haft entlassen worden, nachdem sich u.a. Amnesty International im Rahmen der Einsatz-Kampagne für ihre Freilassung eingesetzt hatte. Serkalem Fasil bedankte sich bei der Organisation und spendete ihr Preisgeld an Amnesty International und an das "Committee to Protect Journalists".

(rg, Oktober 2007)

Quellen: Amnesty International Deutschland und IWMF vom Oktober 2007





Journalistin Serkalem Fasil ist frei!

Anklage von Gericht in Addis Abeba aufgehoben

Das Gericht sprach Serkalem Fasil von allen Anklagepunkten frei. Der Richter ordnete ihre sofortige Freilassung an. Zugleich wurden weitere Journalisten freigesprochen. Gegen 13 noch inhaftierte Journalisten wurden schwerwiegende Anklagepunkte fallengelassen.

Serkalem Fasil war im November 2005 wegen ihrer Berichterstattung über die äthiopischen Parlamentswahlen verhaftet worden. Sie war zu der Zeit schwanger und musste ihr Kind in der Haft zur Welt bringen. - Der Vater des Kindes, Eskinder Negga, kam ebenfalls frei, so dass sich nun beide Eltern um ihr kleines Kind kümmern können.

Amnesty International hatte die Festnahme von Serkalem Fasil scharf kritisiert und sich auch im Rahmen der Kampagne "Einsatz für die Menschenrechte" für sie eingesetzt. Die Sektionskogruppe "Verfolgte AutorInnen und JournalistInnen - Für Meinungsfreiheit" freut sich ganz besonders über diese Nachricht.

(j.z., 13.04.2007)

Acht Journalisten aus Gefängnis entlassen (04/2007) - www.reporter-ohne-grenzen.de

Auch Journalist Eskinder Negga ist frei (12/2007) - www.amnesty.de




Serkalem Fasil, Foto: © Amnesty International

Appellfall

Serkalem Fasil

Weil sie regierungskritische Artikel veröffentlichte,
sitzt die Journalistin seit November 2005 im Gefängnis

Im Rahmen der Parlamentswahlen 2005 ließ die äthiopische Regierung eine Vielzahl von Regierungskritikern verhaften. Unter ihnen war auch die 26-jährige Journalistin und Publizistin Serkalem Fasil.
Im Mai 2005 fanden in Äthiopien Parlamentswahlen statt, aus denen die Regierungspartei Ethiopian People’s Revolutionary Democratic Front (EPRDF) als Sieger hervorging. Schon vor den Wahlen kam es wegen mutmaßlichem Wahlbetrug zu Protesten und Demonstrationen. Diese wurden auch nach den Wahlen fortgesetzt, woraufhin es im Juni und November 2005 zu Massenfestnahmen von Oppositionspolitikern und Journalisten kam. Die Journalistin und Herausgeberin Serkalem Fasil, 26, war eine von 14 Journalisten unabhängiger und privater Zeitungen, die in diesem Zusammenhang festgenommen wurden. Sie wurde im November 2005 festgenommen, weil sie zu den Wahlen regierungskritische Artikel publiziert hatte.

Serkalem Fasil war zum Zeitpunkt ihrer Festnahme schwanger. Im Juni 2006 brachte sie im Polizeikrankenhaus einen Sohn zur Welt. Da es sich um eine Frühgeburt handelte, rieten die Ärzte dazu, den untergewichtigen Jungen im Brutkasten einer Intensivstation in einem Krankenhaus versorgen zu lassen. Dies wäre nur möglich gewesen, wenn Serkalem Fasil oder ihr ebenfalls inhaftierter Lebensgefährte das Kind hätten begleiten dürfen. Das wurde von den Behörden nicht gestattet. Serkalem Fasil muss unter unmenschlichen Bedingungen im Kaliti-Gefängnis von Addis Ababa für ihren Sohn sorgen. Ratten, Kakerlaken und Flöhe bevölkern ihre Zelle. Serkalem selbst leidet unter hohem Blutdruck, ihr Gesundheitszustand ist bedenklich. Amnesty International ist aufgrund der schlechten Haftbedingungen sowie der Verweigerung von angemessener medizinischer Versorgung sehr besorgt.

Eskinder Negga, Foto: © privat/Amnesty International
Serkalem Fasil ist Mitherausgeberin der Asqual, Menilik und Satenaw Zeitung, Serkalems Lebensgefährte Eskinder Negga ebenfalls Mitherausgeber der Satenaw. Er und Serkalem Fasils Bruder Dawit Fasil gehören auch zu den 14 Journalisten, die im November 2005 festgenommen wurden und von Amnesty International als gewaltlose politische Gefangene betrachtet werden. Sie wurden wegen "Verrats, Verstößen gegen die Verfassung und Anstiftung zu bewaffneter Verschwörung" angeklagt. Werden sie schuldig gesprochen, könnten ihnen die Todesstrafe drohen.

Im März 2006 besuchte eine Delegation der in den USA ansässigen Kommission zum Schutz von Journalisten (Committee to Protect Journalists - CPJ) Äthiopien und traf Premierminister Meles Zenawi. Zenawi versicherte der Delegation, dass alle angeklagten Journalisten faire Verfahren erhalten würden. Er zeigte sich außerdem damit einverstanden, dass den inhaftierten Journalisten Zugang zu Büchern gewährt würde. Dies war ursprünglich vom Gefängnispersonal verweigert worden. Er sagte, dass er die Politik der strafrechtlichen Verfolgung von Journalisten für angebliche Verstöße gegen das Pressegesetz (1992) überdenken wolle. Die CPJ-Delegierten durften außerdem alle inhaftierten Journalisten besuchen und konnten so Zeugen des ersten genehmigten Treffens zwischen Serkalem Fasil und Eskinder Negga im Kaliti-Gefängnis werden. Im August 2006 wurde Eskinder Negga vom Kaliti-Gefängnis zum Karcheles-Gefängnis verlegt.

Amnesty International betrachtet Serkalem Fasil als gewaltlose politische Gefangene, die nur aufgrund ihrer Berufsausübung als Journalistin und der friedlichen Wahrnehmung ihres Rechts auf freie Meinungsäußerung inhaftiert ist. Das heißt, sowohl die Haft als auch die Anklage sind aus menschenrechtlicher Sicht rechtswidrig. Da wir also bei jedem Strafmaß, egal ob Haft oder Todesstrafe, die sofortige Freilassung fordern würden, ist es in diesem Fall vorläufig sinnvoller, bei Appellen nicht auf das mögliche Urteil einzugehen. Sollte Serkalem Fasil tatsächlich zu Tode verurteilt werden, wird natürlich eine neue Aktion gestartet.


Hintergrundinformationen Äthiopien

Allgemeine Informationen zur Menschenrechtslage

Amnesty International beklagt seit Jahren schwere Menschenrechtsverletzungen durch die äthiopische Regierung. Die Ereignisse im Vorfeld und insbesondere nach den Parlaments- und Regionalwahlen vom 15. Mai 2005 geben Anlass zu äußerster Besorgnis über die weitere Entwicklung der Menschenrechte in Äthiopien.

Äthiopien wird seit knapp 16 Jahren von Premierminister Meles Zenawi und der von ihm geführten EPRDF (Ethiopian People's Revolutionary Democratic Front) regiert. Zenawi war ein Führer der Kräfte, die 1991 die 17-jährige marxistisch-leninistische Herrschaft von Präsident Mengistu Hailemariam (bekannt als "Dergue" - "Komitee") gewaltsam beendeten.

Obwohl Äthiopien seit dem Sturz von Präsident Mengistu Hailemariam, dessen Regierung für schwerwiegende Verstöße gegen die Menschenrechte bekannt war, in der (formalen) Anerkennung der Menschenrechte Fortschritte gemacht hat, gibt die Menschenrechtslage in dem Land nach wie vor Anlass zur Sorge.

Zu den typischen Menschenrechtsverletzungen zählen die willkürliche Festnahme und Inhaftierung von Regierungskritikern und Journalisten ohne Aklage und Gerichtsverfahren; Folter und exzessive Gewaltanwendung durch die Sicherheitskräfte und harte Haftbedingungen. Einige Gefangene fielen dem "Verschwindenlassen" zum Opfer. Darüber hinaus wird in Äthiopien weiterhin die Todesstrafe verhängt. Soweit bekannt wurde seit 1991 kein Todesurteil vollstreckt.

Andauernde Proteste nach den Wahlen vom Mai 2005

Im Mai 2005 fanden die dritten allgemeinen Wahlen unter der gegenwärtigen Regierung und der Verfassung von 1995 statt. Die Wahlen wurden von der Europäischen Union, der Afrikanischen Union, dem Carter Center (USA) und einigen äthiopischen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) beobachtet. Zwei große Oppositionsgruppen - die Coalition for Unity and Democracy (CUD) und die United Ethiopian Democratic Front (UEDF) - forderten die Regierungspartei von Premierminister Meles Zenawi - Ethiopian People's Revolutionary Democratic Front (EPRDF) - heraus. Die Opposition war zu diesem Zeitpunkt stärker und chancenreicher als bei allen Wahlen zuvor. In einem Staat wie Äthiopien, der die Menschenrechte in der 1995 verabschiedeten Verfassung verankert und mehrere internationale Menschenrechtsabkommen ratifiziert hat, sind Wahlen eine entscheidende Messlatte für die Glaubwürdigkeit und die Transparenz der Regierung.

Direkt nach der Stimmabgabe am 15. Mai 2005 warf die Opposition der Regierung Wahlbetrug vor. Ungeachtet der Tatsache, dass noch kein offizielles Endergebnis vorlag, da der Wahlgang in 31 Wahlkreisen aufgrund von Unregelmäßigkeiten und Mängeln wiederholt werden musste, verkündeten das regierungseigene Radio und die Presse schon vor der Wiederholung in den beanstandeten Wahlkreisen den Sieg der Regierungspartei. Premierminister Zenawi verbot daraufhin alle Demonstrationen bis zur offiziellen Verkündung der Wahlergebnisse und übernahm persönlich den Befehl über die Sicherheitskräfte in Addis Abeba.

Doch bereits am 5. Juni 2005 begannen Studenten mit friedlichen Demonstrationen, die zu gewaltsamen Konfrontationen mit den Sicherheitskräften eskalierten, in deren Verlauf am 8. Juni mindestens 36 Demonstranten von der militärischen Spezialeinheit "Agaazi" erschossen und zahlreiche weitere verletzt wurden. Tausende von Menschen wurden zeitweise festgenommen, nach einigen Wochen aber entlassen, ohne je eines Verbrechens angeklagt worden zu sein. Die Führung der CUD entschied sich, das neugewählte Parlament zu boykottieren, nachdem durch eine Gesetzesänderung das Initiativrecht der Opposition im Parlament praktisch abgeschafft worden war. Im November 2005 rief die Führung des CUD zu weiteren friedlichen Demonstrationen auf. Die Proteste, die gewaltlos mit einem Hupkonzert und Streiks begonnen hatten, eskalierten erneut. Mindestens 42 Demonstranten wurden in Addis Abeba von Polizeikräften erschossen, über 200 weitere verwundet. Sieben Polizisten wurden von Demonstranten getötet. Sicherheitskräfte nahmen über 10.000 Menschen in verschiedenen Regionen des Landes fest. Ein Großteil von ihnen wurde mittlerweile gegen Kaution entlassen, die wenigsten von ihnen wurden angeklagt. Die Opposition setzte ihre Proteste im Dezember fort.

Pressefreiheit als Indikator

Neben annähernd der gesamten Führungsschicht der CUD und mehreren Menschenrechtsverteidigern wurden im November 2005 14 Journalisten und Herausgeber unabhängiger, privater Zeitungen inhaftiert, darunter Serkalem Fasil. Sie wurden des "Verrats", des "Verstoßes gegen die Verfassung" und des "Aufrufs zur bewaffneten Verschwörung" angeklagt. Die Anklagen gegen die Journalisten basieren angeblich auf den von ihnen veröffentlichten Artikeln, müssen aber in Zusammenhang mit den Anklagen gegen die CUD-Führung gesehen werden. Soweit bekannt, sind die Journalisten keine Mitglieder der CUD, veröffentlichten aber Interviews mit Oppositionsführern und kritisierten die Regierung während des Wahlprozesses.

Seit Erlass eines restriktiven Pressegesetzes 1992 sind in Äthiopien über 300 Journalisten inhaftiert worden. Infolge internationaler Proteste ging die Zahl der Verhaftungen von Journalisten seit 2003 tendenziell zurück, ein aus dem Jahr 2003 stammender Regierungsentwurf für ein neues, noch restriktiveres Pressegesetz wurde bislang nicht verabschiedet. Allerdings schränkt das Strafgesetzbuch von 2005 mit seinen Regelungen "zur Sicherung der Meinungsfreiheit, aber Verhinderung ihres Missbrauchs" (Art. 42-47) die Pressefreiheit extrem ein. Auch wenn bislang keine Zeitung offiziell verboten wurde, führen diese gesetzlichen Grundlagen zu einer strengen Selbstzensur und beständigen Unsicherheit der freien Medien.

(Amnesty International Deutschland, Februar 2007)

Journalistin Serkalem Fasil - Mundtot gemacht (03/2007) - www.amnesty.de

Unsere Sektionskogruppe (02/2007) - Einsatz für Journalisten - Einsatz für Serkalem Fasil

Journalist Eskinder Negga (08/2006) - www.amnesty.de




Weitere Informationen


Porträt: Eskinder Negga und Serkalem Fasil (06/2009) - www.amnesty.de

Freed journalist donates prize to Amnesty International (10/2007) - www.amnesty.org

Serkalem Fasil krijgt IWMF "Courage Award" (10/2007) - eremelamela.wordpress.com

Stellungnahme zur Verfolgung und Rückkehrgefährdung von ... (11/2006) - www.amnesty.de



Weitere Berichte unter - Nachrichten / Afrika /Äthiopien


Zum Seitenanfang



© www.amnesty-meinungsfreiheit.de