Drohungen und Angriffe gegen Journalistinnen
nehmen in Afghanistan zu
Bestimmte Radio- und Fernsehsendungen unter Mitwirkung von Frauen
sind unbeliebt bei Warlords, Lokalpolitikern und den Taliban
Diese Kreise sind bemüht, bei Journalistinnen und anderen Medienmitarbeiterinnen ein Klima
der Angst und Einschüchterung zu schaffen. Schon gibt es unter ihnen einige, die wegen der
ständigen Bedrohungen ihre Tätigkeit aufgegeben haben.
Reporter ohne Grenzen zitieren in ihrem jüngsten Pressebericht über diese Situation
den Vorsitzenden der Unabhängigen Afghanischen Journalistenvereinigung
AIJA, Rahimullah
Samandar, der sich vor allem auf Vorkommnisse in der Provinz Herat bezieht. Allein im Mai
seien bereits zehn Journalistinnen und junge Medienmitarbeiter Ziel von Angriffen gewesen.
"Die Täter wollen offenbar, dass bestimmte Fernsehprogramme nicht mehr ausgestrahlt werden
oder dass Frauen nicht mehr an ihnen mitwirken."
Untätigkeit der Behörden leistet den Angriffen Vorschub
Die sei leider ein wesentlicher Faktur für die Zunahme der Bedrohungen und Angriffe.
Reporter ohne Grenzen berichten von Messer-Attacken auf eine 22-jährige
Nachrichtenmoderatorin des öffentlich-rechtlichen Senders
Herat TV in ihrem Haus und
auf dem Weg zu ihrer Arbeitsstätte. Sie musste im Krankenhaus behandelt werden. Das Haus
einer Radiomoderatorin wurde mit Handgranaten angegriffen. Die stellvertretende
Chefredakteurin von
Radio Faruyad,
Khadijeh Ahadi, blieb zwar unverletzt, ihr Haus wurde
aber stark beschädigt. Sie wie eine weitere Anzahl von Journalistinnen haben die Stadt
verlassen. Im Februar waren in Mazar-i-Sharif schon Journalistinnen massiv bedroht worden,
die Täter gaben sich als Vertreter der Taliban aus. Die Behörden unternahmen nichts dagegen.
Reporter ohne Grenzen verlangen zwar von den Behörden, die Sicherheit von Journalistinnen im Land
nachhaltig zu verbessern. Das Problem ist jedoch die äußerst ungewisse und komplizierte
Machtsituation in den afghanischen Provinzen, umso mehr, da der Arm der Zentralregierung nicht
weit über Kabul hinaus reicht.
(zi, 22.05.2008)
Quelle: Reporter ohne Grenzen vom 22.05.2008
Journalistinnen in Afghanistan: ROG fordert ... (05/2008) -
www.reporter-ohne-grenzen.de
Samander Rahimullah: "Die Medien können das Land verändern" (06/2008) -
de.qantara.de
Einschränkungen von Meinungs- und Pressefreiheit
Aus den Jahresberichten von Amnesty International
Berichtsjahr 2006
Das Recht auf freie Meinungsäußerung wurde im Großen und Ganzen respektiert, auch wenn es
Versuche gab, die Meinungsfreiheit einzuschränken. So strebte die Nationale Sicherheitsdirektion
das Verbot einer offenen Diskussion über die Sicherheitslage an, und der Parlamentssprecher schlug
Einschränkungen des Rechts der Abgeordneten vor, sich gegenüber der Presse frei zu äußern.
(Amnesty International, Jahresbericht 2007)
Berichtsjahr 2005
Im Oktober wurde der gewaltlose politische Gefangene
Ali Mohaqqeq Nasab, Chefredakteur einer
Monatszeitschrift, die sich vor allem Frauenrechtsthemen widmete, wegen "Verleumdung" und "Blasphemie"
zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Im Dezember setzte ein Berufungsgericht die gegen
ihn verhängte Strafe aus, so dass er das Gefängnis verlassen konnte.
(Amnesty International, Jahresbericht 2006)
Berichtsjahr 2003
Ungeachtet aller Drohungen gegen Journalisten, die Kritik an den Behörden übten, existierte eine große
Zahl von unabhängigen Zeitungen, Zeitschriften und Rundfunksendern.
Am 17. Juni wurden die beiden Journalisten
Sayed Mirhassan Mahdavi, der Herausgeber der Zeitung
Aftab,
und sein Stellvertreter
Ali Payam Sistani unter dem Vorwurf der »Beleidigung des Islam« verhaftet, weil
in ihrer Zeitung ein Artikel erschienen war, der Kritik an der Einmischung der Religion in die Politik
enthalten hatte. Nach gut einer Woche wurden sie wieder auf freien Fuß gesetzt, doch Präsident Karzai
erklärte, man werde sie beide vor Gericht stellen. Daraufhin verließen die zwei Journalisten das Land.
(Amnesty International, Jahresbericht 2004)
Afghanistan (Jahresberichte Amnesty International) -
www.amnesty.de
Pressefreiheit in Afghanistan
ROG appelliert in Kabul für mehr Pressefreiheit ... (01/2009) -
www.reporter-ohne-grenzen.de
Journalist Yaqub Ibrahimi - Gefährliche Berufung (10/2008) -
www.amnesty.de
Yaqub Ibrahimi - Journalist aus Nordafghanistan (07/2008) -
www.hamburger-stiftung.de
Journalisten zwischen den Fronten (10/2007) -
www.deutsche-welle.de
Journalisten in Afghanistan: Zwischen den Fronten (10/2007) -
de.qantara.de
TV-Training im "Club Ariana" (08/2007) -
www.dw-world.de
Journalisten in Afghanistan arbeiten unter Lebensgefahr (08/2007) -
www.dradio.de
Gibt Karsai die Pressefreiheit auf? (07/2007) -
de.qantara.de
Journalistin Zakia Zaki - Die Stimme des Friedens verstummt (06/2007) -
de.qantara.de
Trauer um ermordete DW-Journalisten (10/2006) -
www.dw-world.de
Freie Medien für Afghanistan (08/2006) -
www.dw-world.de
Frauenzeitschrift im Visier der konservativen Justiz (10/2005) -
de.qantara.de
Palm-Preisträgerin 2004: Jamila Mujahed - Dossier (12/2004) -
www.palm-stiftung.de
Zeitschrift "Malalai": Die Stimme der afghanischen Frauen (12/2004) -
de.qantara.de
Journalisten als Opfer der Scharia (08/2003) -
de.qantara.de
Weitere Informationen
Dossier: Afghanistans schwieriger Weg zum Frieden (12/2007) -
www.dw-world.de
Afghanistans Ethnokratie (05/2007) -
www.dw-world.de
Interview mit dem afghanischen Autor Atiq Rahimi (02/2002) -
www.gazette.de
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