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China



Liao Yiwu kommt nach Deutschland

Reiseverbot des chinesischen Schriftstellers offenbar aufgehoben

Laut einer dpa-Meldung wird der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu im September 2010 nach Deutschland kommen und an zwei Literaturfestivals teilnehmen können: am Harbour Front Literaturfestival in Hamburg und am Internationalen Literaturfestival Berlin (ilb) in Berlin. Die chinesischen Behörden haben diesmal offenbar die Ausreisegenehmigung erteilt.

Zuvor war dem Autor bei ähnlichen Anlässen die Ausreise aus China verboten worden. So durfte er im März 2010 nicht nach Köln zum Festival "lit.Cologne" kommen. Unmittelbar vor Abflug wurde er aus dem Flugzeug geholt und anschließend unter Hausarrest gestellt. Im Oktober 2009 ließen ihn die Behörden nicht zur Frankfurter Buchmesse ausreisen, die im letzten Jahr unter dem Motto des Gastlandes China stand.

Sein Buch "Fräulein Hallo und der Bauernkaiser - Chinas Gesellschaft von unten", das 2009 in deutscher Übersetzung erschienen ist, ist in China von an Anfang an verboten. In diesem Interviewband lässt der Autor die Randgestalten der chinesischen Gesellschaft, die "Underdogs" - Toilettenputzer, Prostituierte, Mönche, politische Häftlinge, Straßenkünstler - zu Wort kommen.

Für ein Gedicht vier Jahre Gefängnis

Für sein Gedicht "Massaker" von 1989, indem er das Blutbad auf dem Platz des Himmlischen Friedens anprangerte, wurde er zu vier Jahren Gefängnis verurteilt, die er von 1990 bis 1994 absaß und in der er der Folter ausgesetzt war. 2007 wurde er vom Unabhängigen Chinesischen PEN-Zentrum mit dem Preis "Freiheit zum Schreiben" ausgezeichnet, dessen Verleihung jedoch in letzter Minute verhindert wurde.

Internationaler Protest

Viele Autoren, Politiker sowie Schriftsteller- und Menschenrechtsorganisationen hatten sich wiederholt für Liao Yiwu eingesetzt und aufs Schärfste die Menschenrechtsverletzungen durch die chinesischen Machthaber kritisiert.

Amnesty International widmete dem chinesischen Dissidenten u. a. ein kritisches Diskussionsforum im letzten Jahr auf der Frankfurter Buchmesse. Und nicht zuletzt sollte der internationale Autoren-Aufruf zu Lesungen aus den Werken des chinesischen Schriftstellers am 4. Juni 2010 weltweit eine breite Aufmerksamkeit finden und an das Massaker in Peking vor 20 Jahren erinnern.

Deutschlandbesuch im September

Liao Yiwu kommt auf Einladung nach Deutschland, um an zwei Veranstaltungen "Liao Yiwu und die Underdogs der chinesischen Gesellschaft" teilzunehmen und sein Buch vorzustellen: am 17.09.2010 im Museum für Hamburgische Geschichte in Hamburg und am 19.09.2010 im Haus der Kulturen der Welt in Berlin (siehe auch Termine).

(rg, 30.08.2010)

Quellen: Fokus Online, Hamburger Abendblatt vom 27.08.2010

Liao Yiwu kommt nach Berlin (08/2010) - www.focus.de

Chinesischer Autor Liao Yiwu darf nach Deutschland reisen (08/2010) - www.abendblatt.de

Weiter Hausarrest für Liao Yiwu - China verhindert ... (03/2010) - www.berlinerliteraturkritik.de

China verweigert Autor die Ausreise (09/2009) - www.berlinerliteraturkritik.de

Für die Freiheit des Wortes: Der Fall Liao Yiwu (10/2009) - Frankfurter Buchmesse 2009

Liao Yiwu: "Fräulein Hallo und der Bauernkaiser" - Neuerscheinungen 2009 / China




Aufruf zu einer weltweiten Lesung für
den chinesischen Schriftsteller Liao Yiwu

Erinnerung an das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking

Das internationale literaturfestival berlin (ilb) ruft Kulturinstitutionen, Schulen, Radiostationen und interessierte Personen zu einer weltweiten Lesung von Gedichten und Prosa des chinesischen Autors Liao Yiwu am 4. Juni 2010 auf.

An diesem Tag jährt sich das Massaker am Tian’anmen-Platz in Beijing im Jahr 1989, bei dem nach Angaben des Roten Kreuzes ca. 2.600 Menschen den Tod fanden.

Am 4. Juni 2010 sollen deshalb folgende Werke Liao Yiwus gelesen werden:
  • Für einen zum Tode Verurteilten;
  • Zum Tode Verurteilte sprechen über ihre Hinrichtung;
  • Für ein Lied und hundert Lieder;
  • Das Vaterland der Gefangenen;
  • Vor Gericht;
  • Die Totenrufer;
  • Der Trauermusiker;
  • Die Familie eines Opfers des 4. Juni;
  • Der Klomanager;
  • Der vierte Juni.
Liao Yiwu ist einer der Autoren, die in China trotz internationaler Erfolge nicht publiziert werden, weil sie in den Augen der Machthaber die "Verbreitung konterrevolutionärer Propaganda mit ausländischer Hilfe" ausüben. Selbst sein Name darf nicht genannt werden.

Der Schriftsteller, der von 1990 bis 1994 in Haft war, hatte 2009 eine Einladung zur Frankfurter Buchmesse, durfte aber China nicht verlassen.

(rg, 29.05.2010, aktualisiert Juni 2010)

Quellen: Internationales Literaturfestival Berlin, Hamburger Abendblatt vom 21.04.2010

Autoren rufen zu Lesung für Liao Yiwu auf (04/2010) - www.abendblatt.de

Weltweite Lesung für Liao Yiwu und in Erinnerung an ... (06/2010) - www.literaturfestival.com




Weitere Informationen


Begegnung mit Liao Yiwu: "Ich war ein Propaganda-Autor" (03/2010) - www.fr-online.de

Liao Yiwu: Der Autor, den die Staatsmacht fürchtet (03/2010) - www.abendblatt.de

Lit. Cologne: Solidaritätsveranstaltung für Liao Yiwu (03/2010) - litcolony.de

Liao Yiwu wurde die Ausreise verweigert (03/2010) - www.pen-deutschland.de

Offener Brief des Dissidenten Liao Yiwu (03/2010) - www.taz.de

Offener Brief von Liao Yiwu an Angela Merkel (02/2010) - www.perlentaucher.de




Weitere Nachrichten und Berichte unter - Nachrichten / Ostasien / China


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