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Koordinationsgruppe 2907, Amnesty International

Der Fall Cicero





Karlsruhe stärkt Pressefreiheit

Bundesverfassungsgericht entscheidet zugunsten
des Schutzes von Journalisten und ihren Informanten

In ihrem Grundsatzurteil erklärte das Gericht Durchsuchungen und Beschlagnahmen bei Journalisten und in Redaktionen für verfassungswidrig und gab damit der Beschwerde des Chefredakteurs von "Cicero" Recht.

Das Gericht betonte dabei, dass solche Polizeiaktionen nicht dem Zwecke dienen dürften, "undichte Stellen" in einer Behörde auszumachen. Allein die Veröffentlichung eines Geheimdokumentes rechtfertige weder die Durchsuchung einer Redaktion oder Wohnung, noch die Beschlagnahme von Unterlagen. Gleichzeitig stellten die Richter wiederum fest, Journalisten, die vertrauliche Informationen publizierten, seien "nicht von der Strafbarkeit wegen Beihilfe zur Verletzung von Dienstgeheimnissen ausgenommen", was sich wie ein Widerspruch zu dem vorliegenden Urteil lesen ließe.

(j.z., nach dpa vom 28.02.2007)

Das Urteil in Sachen "Cicero" (02/2007) - www.bundesverfassungsgericht.de

ROG begrüßt Cicero-Urteil, fordert weitere Schritte (02/2007) - www.reporter-ohne-grenzen.de

Cicero-Urteil: Sieg für die Pressefreiheit (02/2007) - www.djv.de

Journalisten im Visier des Staates (02/2007) - www.dradio.de

Zeit zur Erinnerung: Das "Cicero"-Urteil stärkt die Pressefreiheit (02/2007) - www.dradio.de

Pressefreiheit gegen Staatsgeheimnis (02/2007) - www.dradio.de




Investigativer Journalismus muss vor Kriminalisierung
geschützt werden

Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zur Pressefreiheit mit Spannung erwartet

Der "Deutsche Journalisten-Verband" (DJV) erwartet, ebenso wie "Reporter ohne Grenzen" (ROG), mit dem Karlsruher Urteil am 27. Februar ein klares Votum für die Pressefreiheit; mit den Worten seines Bundesvorsitzenden Michael Konken: "Nur ein eindeutiges und unmissverständliches Urteil kann den fortwährenden Verstößen gegen die Freiheit der Berichterstattung ein Ende setzen."

Ausgangspunkt für die jetzt anstehende Entscheidung war die "Cicero-Affaire", die staatsanwaltschaftlich angeordnete Durchsuchung von Redaktionsräumen und Büros für die Zeitschrift arbeitender Redakteure und die Beschlagnahme von Unterlagen im September vorigen Jahres. Eine anschließend erhobene Anklage wurde später wieder fallen gelassen. Der Chefredakteur Wolfram Weimer hat gegen die Durchsuchungen Verfassungsbeschwerde eingelegt. Darüber hat Karlsruhe nun zu entscheiden.

"Um Beihilfe zum Geheimnisverrat" geht es auch bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hamburg seit Ende Januar gegen drei Stern-Redakteure und einen Journalisten der "Financial Times Deutschland". Von beiden Organisationen, DJV und ROG, wird die Einstellung der Ermittlungen verlangt. "Die Suche nach Lecks in den Reihen von Behörden und Geheimdiensten darf nicht zu Lasten des Quellenschutzes gehen", heißt es in etwa gleichlautenden Erklärungen. Nur so könnten die Medien ihre unverzichtbare Kontrollfunktion ausüben und das öffentliche Interesse an Aufklärung ungehindert bedient werden.

"Unabhängige und aufklärende Berichterstattung ist nur dann möglich, wenn vertraulich zugeleitet Informationen straffrei an die Öffentlichkeit gebracht werden können", so "Reporter ohne Grenzen". Die anstehende Entscheidung in Karlsruhe ist deshalb auch von Bedeutung hinsichtlich der Erwartung, dass
§ 353b des Strafprozessbuches im Interesse des Schutzes für journalistische Recherchen nicht mehr auf Journalisten angewandt werden darf, wie es Gesetzentwürfe von FDP und Bündnis 90/Die Grünen schon länger vorsehen.

Der "Deutsche Journalisten-Verband" hat zahlreiche Fälle von Durchsuchungen und Beschlagnahmen in deutschen Redaktionen seit den 80er Jahren aufgelistet (s.u.).

(j.z., 24.02.2007)

Cicero-Urteil: Pressefreiheit muss siegen (02/2007) - www.djv.de

ROG hofft auf Cicero-Urteil im Sinne der Pressefreiheit (02/2007) - www.reporter-ohne-grenzen.de

Urteilsverkündung in Sachen "Cicero" (02/2007) - www.bundesverfassungsgericht.de




Pressefreiheit - ein kostbares Gut

Nicht ungefährdet auch bei uns

Kein Vergleich zu den Ländern mit rigiden Pressegesetzen und repressiven Praktiken verschiedenster Art - aber in jüngster Zeit nimmt auch im "freien Westen" in bestimmten Fällen der Druck auf Journalisten zu, wenn sie unwillkommene Nachrichten verbreiten, ihre Informanten oder Quellen preisgeben wollen. Einige Fälle dieser Art gab es schon in Frankreich, auch in Kanada und in USA. Dort wurde aus diesem Grund eine Journalistin sogar in Beugehaft genommen, was heftige internationaler Proteste vor allem von Journalistenorganisationen hervorrief.

Deshalb ist auch in demokratischen Staaten keine bequeme Sorglosigkeit angebracht. Abgesehen von einem feingewobenen Netz von Beeinflussungen der verschiedensten Art, die Auswahl und Gewichtung von Nachrichten mitbestimmen können, ist auch die Fülle der heute global zugänglichen Berichterstattung ein Problem für den verantwortlichen Redakteur, den Überblick nicht zu verlieren und, nicht frei von subjektiven Auffassungen und vielleicht auch anderen persönlichen Faktoren, seine Wahl zu treffen.

Der Fall Cicero

Als ein gewisses Alarmsignal wirkte in diesem Frühjahr in der Bundesrepublik der "Fall Cicero". Nach Durchsuchung der Redaktionsräume dieser Zeitschrift erhob die Staatsanwaltschaft Potsdam Anklage gegen einen Autor und einen Journalisten wegen Zitaten aus einem als geheim eingestuften Bereich des Bundeskriminalamtes über den Terroristen Abu Mussab Al Sarkawi. Nach Meinung von Reporter ohne Grenzen zeige der Vorfall, dass investigativer Journalismus auch in Deutschland zum juristischen Risiko geworden sei. Das mit Beihilfe zum Geheimnisverrat begründete Vorgehen der Justiz hebele das Zeugnisverweigerungsrecht aus.

Die Bundestagsfraktionen von FDP und Bündnis 90/Die Grünen haben Gesetzentwürfe für eine Stärkung des Schutzes von Journalisten und Informanten vorgelegt.

(j.z., 04.05.2006)

Protest gegen BKA-Ermittlungspraxis im Falle "Cicero" (09/2005) - www.pen-deutschland.de




Weitere Informationen


BND-Ausschuss (08/2007) - Ermittlungen gegen Journalisten großer deutscher Tageszeitungen

Pressefreiheit in Deutschland (05/2007) - www.goethe.de

Online-Durchsuchungen: DJV fordert vollständige Aufklärung (04/2007) - www.djv.de

Telekommunikationsüberwachung: Protest gegen Kabinettsbeschluss (04/2007) - www.djv.de

Bundesregierung kritisiert BND (05/2006) - Die BND-Affäre



Weitere Berichte unter - Nachrichten / Deutschland


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