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Koordinationsgruppe 2907, Amnesty International
 


Deutschland

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Kritik an Polizei nicht erlaubt

Wuppertaler Oberbürgermeister Jung weiß, wo Meinungsfreiheit
ihre Grenzen hat

Die 19 Tafeln einer vom Berliner Antidiskriminierungsbüro konzipierten Wanderausstellung mit dem Titel "Vom Polizeigriff zum Übergriff", die eine Bürgerinitiative "Netzwerk Bürger beobachten die Polizei" im städtischen Haus der Jugend zeigen wollte, ließ der Wuppertaler Oberbürgermeister Peter Jung am Tag nach der Eröffnung wieder abhängen.

Sein Sprecher versicherte vorsorglich: "Oberbürgermeister Peter Jung weiß um die Meinungsfreiheit", was allerdings schon, unabhängig von dem Vorgehen, eine erstaunliche Aussage ist. Nach der Auffassung Jungs, der sich die Ausstellung gar nicht angesehen haben soll, verstößt die Text-Bild-Darstellung von Rassismus im Polizeiapparat, Misshandlung von Festgenommenen und dergleichen gegen die Meinungsfreiheit. Die Schau zu Fakten, die auch amnesty international wiederholt thematisiert und verurteilt hat, diffamiere die Polizei. Lapidare Erklärung der Stadt: "Der OB hat von seinem Hausrecht Gebrauch gemacht." Die Eröffnung der polizeikritischen Dokumentation fand mit einem Vortrag zum dritten Jahrestag des Todes von Oury Jalloh statt, der im Januar 2005 unter noch immer nicht geklärten Umständen in einer Polizeizelle in Dessau verbrannte.

Jungs Büro mochte das Verdikt nicht auf konkrete Aussagen in der Schau bezogen wissen. Es gehe gar nicht darum, dass falsche Tatsachenbehauptungen aufgestellt würden. "Im Gesamteindruck wird polemisch und einseitig gegen die Polizei argumentiert." Dagegen die Organisatorin des Netzwerks Judith Welkmann: "Es kommt immer wieder zu Übergriffen durch Polizisten - vor allem auf Migrantinnen und Migranten. Mit der Ausstellung wollten wir etwas dagegen unternehmen." Diese Feststellung entspricht auch dem, was amnesty international in ihren diesbezüglichen Berichten angeprangert hat, dass vor allem Menschen nicht-deutscher Herkunft immer wieder Opfer von "Schlägern in Uniform" werden und - ebenso schlimm -, dass dies meist keine Konsequenzen für die beteiligten Beamten nach sich zieht.

Übrigens: Eine von der Linksfraktion beantragte öffentliche Diskussion über den Vorgang im Rathaus wurde dort ebenfalls untersagt. Die unerwünschte Veranstaltung fand dann Asyl beim Asta der Wuppertaler Universität. Die Hochschulleitung sah keinen Grund zum Eingreifen. Feststellung ihres Sprechers: "Eine Universität ist pluralistisch. Wir gehen anders mit solchen Dingen um als eine Stadtverwaltung, die meint, das von oben nach unten steuern zu müssen."

(zi, 31.03.2008)

Quellen: taz vom 12.01.2008, Frankfurter Rundschau online vom 18.01.2008

Wuppertal verbietet Kritik an Polizei (01/2008) - www.taz.de

Zensur im Muckertal? (01/2008) - www.asta.uni-wuppertal.de

Der Tod von Oury Jalloh: Viele Fragen offen (09/2007) - www.amnesty.de




Zum Thema Bundeskriminalamt-Gesetz


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