"Die Hölle im Irak":
Bilanz nach fünf Jahren Krieg und Terror
Derzeit gefährlichstes Land für Journalisten und Medienvertreter -
Viele Journalisten aus dem Land geflohen
"Irakische Journalisten haben viele Feinde. Angriffe gehen von sunnitischen und schiitischen
militanten Gruppen aus, von Al-Qaida, aber auch von Behörden, einschließlich der Polizei, und von
US-geführten Truppen", stellt
Reporter ohne Grenzen (ROG) zum fünften Jahrestag des
Kriegsbeginns im Irak fest. Sicher sind sie erst, wenn sie "die Hölle im Irak" überlebt und
das Land verlassen haben. Diesen Weg haben viele bei Anzeichen akuter Bedrohung, aus Angst vor
Repressionen, nach überlebten Attentaten oder Entführungen gewählt, oder weil sie die unsichere
und angespannte Lage einfach nicht mehr ausgehalten haben.
Viele sind vor allem nach Jordanien und Syrien ausgewichen und versuchen dort zu überleben.
Die meisten können in ihrem Beruf nicht weiterarbeiten und leben in bescheidensten Verhältnissen.
Wer dort seinen Beruf weiter ausübt, kann unbehindert über den Irak berichten, muss sich
aber hüten, das Aufnahmeland zu kritisieren. Die beiden Länder haben viele irakische Flüchtlinge
aufgenommen. Wenige gelangen in andere arabische Staaten und noch schwieriger ist es, in Europa
oder den USA einzureisen. ROG appelliert an diese Länder, mehr Flüchtlinge aufzunehmen und
entsprechende politische Maßnahmen zu ergreifen.
In ihrem diesbezüglichen Bericht beschreibt
Reporter ohne Grenzen, die viele Gespräche
mit betroffenen Journalisten geführt haben, einige signifikante Einzelfälle. Nach fünf Jahren
Krieg und Terror im Irak bilanzieren sie: 210 getötete Journalisten und Medienmitarbeiter,
87 gekidnappte Journalisten, 15 vermisste Journalisten, deren Schicksal ungewiss ist.
(zi, 20.03.2008)
Quelle: Reporter ohne Grenzen vom 19.03.2008
5 Jahre Krieg - Hunderte von Journalisten geflüchtet (03/2008) -
www.reporter-ohne-grenzen.de
Report: Hundreds of journalists forced into exile ... (03/2008) -
www.reporter-ohne-grenzen.de
Irakischer Reporter der "Washington Post" getötet
Jeden Monat mehrere Todesopfer unter den Journalisten im Irak
Nach Berichten irakischer Medien wurde der Journalist
Salih Mohammed von Extremisten in Bagdad mit einem Kopfschuss getötet. Der Reporter, der für die "Washington Post" arbeitete, hatte aus Sicherheitsgründen unter einem Synonym geschrieben.
Weitere Todesopfer gab es im Nordirak., als Angreifer 85 Kilometer südwestlich von Kirkuk zwei Autos beschossen, in denen mehrere Journalisten mit Beschützern saßen.
Bei dem Überfall starben ein Redakteur einer Lokalzeitung und zwei Leibwächter.
Monat für Monat werden im Irak mehrere Journalisten, Mitarbeiter sowohl lokaler als auch internationale Medien, ermordet.
(zi, 19.10.2007)
Quelle: dpa vom 15.10.2007
Washington Post-Reporter im Irak erschossen (10/2007) -
www.netzeitung.de
Reporter for post is fatally shot in Baghdad (10/2007) -
www.washingtonpost.com
Jüngste Ermordungen von Journalisten
Behörden können auch Presse- und
Medienmitarbeiter nicht vor der Gewalt schützen
Bei einem missglückten Versuch der Geiselnahme vor seinem Haus im Osten Bagdads wurde der Chefredakteur
der Tageszeitung "al-Mishrak"
Mohan Hussein al-Dhahr Ende voriger Woche mit mehreren Kopfschüssen
getötet, als er zu entkommen versuchte.
Die von Kugeln durchlöcherte Leiche des Journalisten
Jamal Riyah Zoubaidi wurde am 3. März im
Südosten der irakischen Hauptstadt gefunden. Von ihm fehlte jede Spur, nachdem er am 23. Februar
sein Büro bei der Zeitung "as-Safir" verlassen hatte.
Männer in Uniformen der irakischen Armee verschleppten nach Mitteilung der Polizei in Kirkuk
nördlich von Bagdad den Chef der Tageszeitung "al-Akhaa"
Talal Hashim Birkdar. Die Zeitung ist
Sprachrohr der gleichnamigen Partei der turkmenischen Minderheit im Irak.
Zahl der getöteten Personen aus dem Bereich der Medien in knapp vier Jahren (seit Beginn des Krieges): 152,
Entführungen: 63.
Trotz ihrer Pläne und Versprechungen für mehr Sicherheit in den größeren Städten können die Behörden
nach wie vor Presse- und Medienmitarbeiter genauso wenig wie andere
Bevölkerungsgruppen vor Anschlägen, Überfällen und Ermordungen schützen und die öffentliche
Ordnung gewährleisten.
(j.z., 09.03.2007)
Quelle: Reporter ohne Grenzen vom 06.03.2007
Zwei Journalisten ermordet, ein weiterer entführt (03/2007) -
www.reporter-ohne-grenzen.de
Im Irak weiterhin hohe Verluste unter Journalisten
und Medienmitarbeitern
Mindestens 100 Journalistinnen, Journalisten und Medienmitarbeiter sind
seit dem Beginn des Irakkrieges im März 2003 und in den nachfolgenden bürgerkriegsähnlichen Wirren umgekommen, stellen "Reporter ohne Grenzen"
fest. Zwei weitere werden vermisst, drei zur Zeit noch als Geiseln gehalten.
Die Organisation verurteilt auch Übergriffe irakischer Polizisten, nachdem
ein Journalist des Satellitensenders "Al Hurra" in Bagdad von ihnen schwer
misshandelt worden war.
Eines der letzten Todesopfer ist der 20-jährige Korrespondent des irakischen
Fernsehsenders "El Alam",
Adel Nadschi el Mansuri. Er hatte am selben Tag,
an dem er vor seinem Haus in Bagdad gekidnappt wurde, noch seine Frau und
Tochter aus der Stadt herausgebracht, nachdem er Morddrohungen erhalten
hatte. Inzwischen wurde seine Leiche gefunden, zugleich mit drei weiteren
ermordeten Journalisten, darunter der Chefredakteur eines irakischen Magazins,
der schon seit dem 20. Juli verschwunden war. Die Organisation "Reporter ohne Grenzen"
ist damit beschäftigt, diese Fälle näher zu untersuchen.
"Kein bewaffneter Konflikt seit dem Zweiten Weltkrieg hat so viele Todesopfer
unter Reportern gefordert," kommentiert die Menschenrechtsorganisation. "Es
ist absolut inakzeptabel, dass nichts unternommen wird, um diese immer all
täglicher werdenden Morde aufzuklären und Journalisten zu schützen."
(j.z., 15.09.2006)
Quelle: Reporter ohne Grenzen vom 03.08.2006
Mediathek
Die Bücherstraße von Bagdad (20.03.2008) -
www.3sat.de
Weitere Informationen
ROG fordert Aufklärung von Angriff auf kurdischen ... (11/2009) -
www.reporter-ohne-grenzen.de
Journalisten im Irak: Flucht ins Exil (04/2008) -
de.qantara.de
Carnage and despair in Iraq (03/2008) -
www.amnesty.org
Ali Shafeya Al-Moussawi: ROG fordert Ermittlungen (12/2007) -
www.reporter-ohne-grenzen.de
Sargon Boulus: Nachruf auf den irakischen Dichter (10/2007) -
de.qantara.de
Von Pressefreiheit weit entfernt (02/2007) -
www.dradio.de
Medien und Meinungsfreiheit: Vom Meinungsdiktat zur Polarisierung (01/2007) -
de.qantara.de
Die Situation von Journalisten im Irak (02/2006) -
www.dradio.de
Journalisten im Irak zwischen Hotel und Hölle (09/2006) -
www.dw-world.de
Atwar Bahjat: Letzter Auftritt einer mutigen Reporterin (02/2006) -
www.sueddeutsche.de
Hussain Al Mozany: "Den Irakern bleibt nichts anderes ..." (10/2005) -
www.dradio.de
Amnesty International Jahresberichte: Irak -
www.amnesty.de
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