Einschränkungen von Meinungs- und Pressefreiheit
Aus den Jahresberichten von Amnesty International
Berichtsjahr 2007
Im Juni 2007 gab das Informationsministerium die Einführung
eines neuen
Pressegesetzes bekannt. Es wurde befürchtet, dass dieses Gesetz die Pressefreiheit
weiter einschränken würde. Das Gesetz würde die Veröffentlichung von Informationen
verbieten, die als bedrohlich für die nationale Stabilität betrachtet werden, und die
Medien bei ihrer Berichterstattung über heikle politische Themen, wie zum Beispiel die
gewaltsamen Zusammenstöße in Sa'da, noch weiter einschränken. Dehnbare Begriffe wie
nationale Sicherheit oder nationale Stabilität mussten in der Vergangenheit schon oft
als Rechtfertigung für die Einschränkung der Pressefreiheit und die Bestrafung von
Journalisten herhalten. Bis Ende 2007 war das Gesetz noch nicht in Kraft getreten.
Journalisten wurden schikaniert. Die Behörden blockierten Websites mit politischen und
anderen kritischen Kommentaren und verboten die Benutzung einiger
Telefon-Datentransferdienste.
Die Journalisten
Abdel Karim al-Khaiwani und
Ahmad 'Umar Ben Farid wurden im
August in Sana'a beziehungsweise in Aden von unbekannten Angreifern entführt, die
wahrscheinlich in Verbindung mit den Sicherheitsbehörden standen. Die beiden Männer
wurden geschlagen und in einer menschenleeren Gegend ausgesetzt. Abdel Karim al-Khaiwani
war wahrscheinlich ins Visier geraten, weil er über die Vorkommnisse in Sa'da berichtet
hatte, Ahmad 'Umar Ben Farid wegen seiner Artikel über die Proteste im Süden des Landes.
Im Juli wurde eine regelmäßige wöchentliche Zusammenkunft von Unterstützern der
Nichtregierungs-organisation Women Journalists Without Restrictions offensichtlich
von Sicherheitsbeamten gewaltsam unterbrochen. Die Organisation hatte um Erlaubnis
gebeten, eine Zeitschrift veröffentlichen zu dürfen. Eine Reihe von Personen wurde
verletzt.
(Amnesty International, Jahresbericht 2008)
Berichtsjahr 2006
Im Februar 2006 wurden drei Tageszeitungen - Yemen Observer, al-Hurriya und al-Ray Al'am -
verboten, weil darin den Islam beleidigende Bilder veröffentlicht worden sein sollen.
Im Mai hob der Ministerpräsident das Verbot wieder auf. Allerdings wurden die
Chefredakteure der Zeitungen -
Muhammad al-Asadi,
Akram Sabra und
Kamal al-Olofi -
festgenommen und Berichten zufolge angeklagt, durch die Veröffentlichung dänischer
Karikaturen den Propheten Mohammed beleidigt zu haben. Alle drei mussten sich vor dem
Publikations- und Pressegericht verantworten. Sie bestritten die gegen sie erhobenen
Anklagen und erklärten, sie hätten lediglich im Kontext von den Propheten würdigenden
Artikeln kleine, zensierte Versionen der Karikaturen abgedruckt. Im Dezember wurde
Kamal al-Olofi zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt, während Muhammad al-Asadi
eine Geldstrafe entrichten musste. Ebenfalls im Dezember verhängte das Gericht gegen
Akram Sabra eine viermonatige Bewährungsstrafe sowie ein einmonatiges
Veröffentlichungsverbot. Sowohl Verteidigung als auch Staatsanwaltschaft legten gegen
das Strafmaß Rechtsmittel ein.
(Amnesty International, Jahresbericht 2007)
Berichtsjahr 2005
Die Freiheit der Medien war weiterhin eingeschränkt. Journalisten, die die Regierung
kritisierten, wurden schikaniert, tätlich angegriffen oder ihres Eigentums beraubt.
Im Mai legten die Behörden einen Entwurf für ein neues Pressegesetz vor, der bei
Journalisten auf massive Ablehnung stieß, da er ihrer Meinung nach eine noch größere
Bedrohung der Pressefreiheit darstellte als das bereits bestehende Presse- und
Publikationsgesetz von 1990. Der Entwurf sah vor, "Kritik an Staatsoberhäuptern" unter
Strafe zu stellen und einige Tatbestände wie etwa »das Weitergeben geheimer Informationen
oder Dokumente an ausländische Stellen« mit der Todesstrafe zu ahnden.
Journalisten, die über die Proteste gegen die Erhöhung der Treibstoffpreise im Juli
berichten wollten, wurden festgenommen und von Polizei und Sicherheitskräften tätlich
angegriffen. Die Behörden untersagten mehreren Journalisten die Berichterstattung über
die Proteste oder konfiszierten ihre Ausrüstung.
Abdul Karim al-Khaiwani, Chefredakteur der oppositionellen Wochenzeitung al-Shura,
kam durch einen Gnadenerlass des Präsidenten am 23. März frei. Der gewaltlose politische
Gefangene war im September 2004 zu einem Jahr Haft verurteilt worden, weil er
angeblich Hussain al-Huthi unterstützt hatte. Während seiner Berufungsverhandlung im März
wurden seine Anwälte Mohammed Naji Allow und Jamal al-Ju?bi sowie der Generalsekretär
des Journalistenverbands Hafez al-Bukari von den Sicherheitskräften brutal verprügelt.
Andere Personen, die den Prozess verfolgten, wurden Berichten zufolge ebenfalls geschlagen, als sie den Gerichtssaal aus Protest verlassen wollten.
Jamal Amer, Chefredakteur des unabhängigen Wochenmagazins al-Wasat, wurde dem Vernehmen
nach am 23. August vor seinem Haus entführt, an einen unbekannten Ort gebracht und mit
dem Tode bedroht. Kurz zuvor hatte seine Zeitung Regierungsvertreter der Korruption
bezichtigt. Einen Tag danach soll das Büro von Ahmed al-Hajj, einem Journalisten der
Nachrichtenagentur Associated Press, von den Sicherheitskräften durchsucht worden sein,
die dort Akten und zwei Computer beschlagnahmten.
(Amnesty International, Jahresbericht 2006)
Berichtsjahr 2004
Im Berichtsjahr verschärften sich die Repressionen gegen Journalisten, darunter
Inhaftierungen, Geld- und Freiheitsstrafen und zur Bewährung ausgesetzte Haftstrafen.
Abdulkarim al-Khaiwani, der Chefredakteur von al-Shura, der Wochenzeitschrift der
oppositionellen Union der Volkskräfte (Union of Popular Forces), wurde im September
von einem Gericht in Sanaa zu einem Jahr Haft verurteilt. Man legte ihm zur Last,
Hussain Badr al-Din al-Huthi unterstützt zu haben. Die Zeitschrift al-Shura musste
ihr Erscheinen für sechs Monate einstellen. Eine für Dezember angesetzte
Berufungsverhandlung wurde vertagt.
Saeed Thabet, der Jemen-Korrespondent einer in London ansässigen Nachrichtenagentur,
wurde im März für eine Woche in Haft genommen, nachdem er berichtet hatte, dass der
Sohn des jemenitischen Staatspräsidenten angeschossen worden sei. Dieser Bericht wurde
von offizieller Seite dementiert. Im April verhängte ein Gericht eine Geldstrafe und
ein Berufsverbot von sechs Monaten gegen Saeed Thabet.
Ende Dezember ergingen gegen vier Männer, unter ihnen
Abdul Wahid Hawash und
Abdul Jabbar Saad, Herausgeber beziehungsweise Journalist der Zeitung Al-Ehyaa
Al-Araby, Bewährungsstrafen zwischen vier und sechs Monaten, nachdem sie Artikel
verfasst und veröffentlicht hatten, die Kritik an Saudi-Arabien enthalten haben sollen.
(Amnesty International, Jahresbericht 2005)
Berichtsjahr 2002
Regierungskritische Journalisten waren zunehmend von Festnahmen und rechtlichen
Schritten gefährdet. Einige wurden mit Warnungen und Drohungen schikaniert,
um sie davon abzuhalten, über die nach dem 11. September 2001 einsetzenden
Massenverhaftungen zu berichten.
Am 29. April wurde
Nabil al-Kumaim, Korrespondent der in Katar erscheinenden Zeitung
al-Rayah, in seiner Wohnung in Sana?a festgenommen, weil er einen Artikel über die
Anwesenheit von Anhängern des Netzwerks al-Qaida im Jemen verfasst hatte. Berichten
zufolge wurde er nach seinen Informationsquellen befragt und nach einigen Stunden
wieder freigelassen.
Am 4. Juni verurteilte ein Gericht in Sana'a die Journalisten
?Abdel Rahim Mohsen,
Ibrahim Hussein und
Khaled Sulaiman zu jeweils fünfmonatigen
Bewährungsstrafen. Die Anklage hatte ihnen zur Last gelegt, im Februar in der
Zeitung al-Thawri Artikel veröffentlicht zu haben, in denen »die Einheit des Staates
gefährdende sektiererische und irrationale Empfindungen« geschürt worden seien.
Nach einer Protestkundgebung gegen die strafrechtliche Verfolgung der drei
Journalisten wurden ?Abdel Rahim Mohsen und Ibrahim Hussein im Juli unter der
Bedingung freigelassen, dass sie bei zukünftigen Anhörungen persönlich erscheinen
werden. Auch Khaled Sulaiman soll aus der Haft entlassen worden sein.
(Amnesty International, Jahresbericht 2003)
Berichtsjahr 2001
Die Gerichtsverfahren gegen mehrere führende Journalisten und Zeitungsherausgeber wegen
von ihnen verfasster beziehungsweise veröffentlichter Artikel wurden im Berichtsjahr
fortgesetzt.
Im Mai wurde gegen
Hisham Basharahil, Verleger und Chefredakteur der Zeitung
al-Ayyam, nach einem Interview mit dem in Großbritannien lebenden Islamisten
Abu Hamza al-Masri der Vorwurf der "Schädigung der nationalen Einheit" erhoben.
Wenige Tage später beschuldigte man ihn in einer zweiten Anklageschrift, er habe
mit der Veröffentlichung eines Artikels, in dem die Zerstörung einer alten Synagoge
in Aden kritisiert worden war, Stammesstreitigkeiten und religiösen Zwist ausgelöst.
Im Juni wurde der Journalist schließlich wegen einer Meldung mit dem Titel
"Gefangener verübt Selbstmordversuch" von der Generalstaatsanwaltschaft in Aden
zur Vernehmung vorgeladen. Die Verfahren gegen ihn waren am Ende des Berichtsjahres
noch anhängig.
(Amnesty International, Jahresbericht 2002)
Berichtsjahr 2000
Mehrere für kurze Zeit inhaftierte führende Journalisten und Zeitungsherausgeber waren
als gewaltlose politische Gefangene zu betrachten. Meist erfolgte die Verhaftung
wegen von ihnen verfasster beziehungsweise veröffentlichter Artikel. Eine Reihe
von Zeitungen wie zum Beispiel al-Haq und al-Shura mussten 1999 vorübergehend ihr
Erscheinen einstellen.
Anfang März wurde der für die Zeitungen al-Ayyam und al-Tariq schreibende
Anwalt
'Ali Haitham al-Gharib festgenommen, nachdem er Artikel veröffentlicht hatte,
die Berichten zufolge nach Ansicht der jemenitischen Behörden eine Bedrohung der
öffentlichen Sicherheit darstellten. Fünf Tage später ließ man ihn wieder frei.
Gleichfalls im März wurde
Hisham Basharahil, Verleger und Chefredakteur von al-Ayyam,
zwei Stunden lang zum Verhör festgehalten und dann wieder auf freien Fuß gesetzt.
Nach mehreren Verhandlungstagen wurden die beiden Männer vom Gericht der "Schädigung der
Einheit der Nation" und mehrerer anderer Anklagepunkte für schuldig befunden.
Beide erhielten zur Bewährung ausgesetzte Freiheitsstrafen, Hisham Basharahil musste
außerdem eine Geldbuße zahlen.
(Amnesty International, Jahresbericht 2001)
Amnesty International Jahresberichte: Jemen -
www.amnesty.de
Weitere Informationen
Pressefreiheit in der arabischen Welt (06/2010) -
de.qantara.de
Ein Rückschritt für die Pressefreiheit (04/2010) -
www.dw-world.de
Journalistin mit Gefängnis und Arbeitsverbot bestraft (01/2010) -
www.reporter-ohne-grenzen.de
Interview mit Ahmed Saif Hashed: Demokratie als persönliche Mission (05/2009) -
de.qantara.de
Literaturaustausch im Jemen: Geschichten aus dem Alltag (02/2009) -
de.qantara.de
Pressefreiheit und Demokratie in Jemen (12/2008) -
de.qantara.de
Islam und Frauenrechte im Jemen (08/2008) -
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Bürgerkrieg im Jemen (08/2008) -
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Kritische Journalisten müssen im Jemen viele Hürden überwinden (03/2007) -
www.dradio.de
Schriftsteller ohne Bücher (07/2004) -
de.qantara.de
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