Freie Wahlen ohne freie Presse?
Proteste von Journalisten im Kongo
Am 3. Juli 2006 war
Bapuwa Mwamba, Journalist der Oppositionszeitung
Le Phare in seinem Haus überfallen und getötet worden - der jüngste Fall
in einer langen Kette gegen Journalisten gerichteter Gewalttaten, darunter
auch einer Anzahl von Mordfällen.
Zwei Wochen danach haben in Kinshasa hunderte Journalisten mehr Sicherheit für ihren Berufsstand
gefordert. In einem Schweigemarsch zogen rund dreihundert Demonstranten
zum Sitz der UN-Friedenstruppe MONUC und übergaben einen Brief
an UNO-Generalsekretär Kofi Annan. Darin beschuldigen sie ihre Regierung,
nicht genug gegen die Gewalt gegen Journalisten und für die Verfolgung
und Bestrafung der Täter zu unternehmen. Die MONUC solle sich
dafür einsetzen, Gewalt gegen Journalisten aufzuklären. 2005 gab es laut
Journalistes en danger 108 Angriffe gegen Journalisten und
Medien ein neuer Rekord gegenüber 66 Fällen 2004. 58
Fälle von Inhaftierungen wurden bekannt.
Am 30. Juli finden im Kongo Parlaments- und Präsidentschaftswahlen statt.
Zu deren Schutz wurden auch Soldaten der Bundeswehr entsandt. Die protestierenden
Journalisten stellen freie Wahlen ohne freie Presse in Frage; unfreie Wahlen aber
führten nur zu neuen Konflikten.
Zu der Demonstration am 17. Juli haben neben den Gewerkschaften auch
Menschenrechtsorganisationen aufgerufen. Nach Auffassung der Gewerkschaften
sollten für den 18. Juli in einem eintägigen Streik keine Zeitungen
erscheinen und keine Rundfunkprogramme gesendet werden.
(j.z., 20.07.2006)
Quelle: Mitteilung von Journalisten helfen Journalisten (JhJ)
Ihr Job ist lebensgefährlich: Journalisten im Kongo (09/2006) -
www.dw-world.de
Webseite von Journalisten helfen Journalisten e.V. -
www.journalistenhelfen.org
Organisation "Journalistes en danger" (JED)
Hermann-Kesten-Medaille 2005 ermordeten Kollegen gewidmet
Am 3. November 2005 wurden in Kinshasa vor den Augen ihrer Kinder der
kongolesische Journalist
Franck Ngyke Kangundu und seine Frau
Hèlène Mpaka von unbekannten Tätern erschossen. Gewisse
Indizien lassen auf Auftragsmord schließen.
Dem Andenken dieses Kollegen und weiteren in den letzten zehn Jahren
getöteten oder für vermisst geltenden Journalisten und Mitarbeitern
in Kongo, darunter der 2001 unter bis heute nicht
geklärten Umständen ums Leben gekommene Mitbegründer und
frühere Generalsekretär der Journalistenorganisation
Mwamba wa ba Mulambo,
wollten die Vertreter von
JED (
Journalistes en danger),
Donat M'Baya Thsimanga und
Tshivis Tshivuadi wa Tshivuadi, den
Preis widmen, den sie in Darmstadt, dem Sitz des deutschen P.E.N.-Zentrums, entgegennahmen.
In ihrer Dankesrede bezeichneten sie die
Ehrung als "eine legitime Freude für uns, die wir es doch gewohnt
sind, Beschimpfungen und Verunglimpfungen zu hören, weil wir uns
entschieden haben, unsere Energien darauf zu verwenden, in unseren Ländern
eines der grundlegendsten Menschenrechte, das Recht auf freie
Meinungsäußerung zu verteidigen".
(November 2005)
Mord an kongolesischen Kolumnisten (11/2005) -
www.pen-deutschland.de
Zur Webseite von "Journaliste en danger" (JED) -
www.jed-afrique.org
Einschränkungen von Meinungs- und Pressefreiheit
Aus den Jahresberichten von Amnesty International
Berichtsjahr 2005
Je größer im Vorfeld der Parlamentswahlen die Unzufriedenheit mit der Übergangsregierung war, desto mehr
wurde versucht, Kritiker der Regierung mit politisch motivierten Repressalien und Festnahmen zum Schweigen
zu bringen. Mitglieder von Menschenrechtsorganisationen, Journalisten und Oppositionelle sahen sich willkürlichen
Festnahmen ausgesetzt, weil sie Menschenrechtsverletzungen aufgedeckt oder die Behörden kritisiert hatten.
Mehr als 40 Journalisten wurden verhaftet und vielfach der Verleumdung angeklagt. Andere erhielten Drohungen.
Der Journalist
Franck Ngyke Kangundu und seine Frau wurden am 3. November unter ungeklärten Umständen vor
ihrer Wohnung erschossen.
(Amnesty International, Jahresbericht 2006)
Berichtsjahr 2003
Menschenrechtsverteidiger und Journalisten, die legitimen Recherchen nachgingen und berechtigte Kritik übten,
wurden ebenfalls geschlagen, bedroht und widerrechtlich in Gewahrsam genommen, weil sie über die
Menschenrechtslage berichteten.
(Amnesty International, Jahresbericht 2004)
Berichtsjahr 2002
Die Pressefreiheit war nach wie vor nicht gewährleistet, denn immer wieder wurden Journalisten als gewaltlose
politische Gefangene in Haft genommen und misshandelt.
Am 3. April nahmen Angehörige des militärischen Sicherheitsdienstes DEMIAP den beim staatlichen
Rundfunk- und Fernsehsender RTNC tätigen Journalisten
José Feruzi Samwegele unter der Anschuldigung fest,
eine Erklärung der oppositionellen Union für Demokratie und sozialen Fortschritt ausgestrahlt zu haben.
Er soll in der Haft einer Scheinhinrichtung unterzogen worden sein, bevor man ihn am 10. April wieder auf
freien Fuß setzte.
Dieudonné Karl Nawezi, ein ebenfalls beim RTNC angestellter Sportreporter, wurde am 7. Mai von
Mitarbeitern des nationalen Geheimdienstes Agence nationale des renseignements (ANR) festgenommen,
weil während seiner Berichterstattung über ein Fußballspiel zwischen einer kongolesischen und einer
südafrikanischen Mannschaft Fans aus dem Kongo zu sehen gewesen waren, die T-Shirts mit einem Porträtfoto
des Regierungsgegners Katebe Katoto trugen. Der ANR hielt Dieudonné Karl Nawezi in Lubumbashi zwei Tage
lang zu Verhörzwecken in Haft.
Am 6. September verurteilte ein Gericht in Kinshasa die Journalisten
Raymond Kabala und
Delly Bonsange
von der Tageszeitung
Alerte Plus zu zwölf- beziehungsweise sechsmonatigen Freiheitsstrafen und einer
Geldbuße. Die beiden waren im Juli festgenommen worden, nachdem die Zeitung in einem Artikel behauptet hatte,
ein Minister der Regierung Kabila sei mit Gift ermordet worden. Raymond Kabala soll in der Haft Folterungen
ausgesetzt gewesen sein. Auch Sebastian Kayembe, der Rechtsanwalt der beiden Journalisten, wurde im Oktober
von bewaffneten Männern in Militäruniformen gefoltert. Im November setzte ein Gericht die Geldbußen gegen die
beiden Journalisten herab und ordnete die Freilassung von Delly Bonsange an. Die Haftstrafe von Raymond Kabala
wurde auf sieben Monate reduziert.
(Amnesty International, Jahresbericht 2003)
Berichtsjahr 2001
Die Sicherheitskräfte und von der Regierung unterstützte bewaffnete politische Gruppen folterten unbewaffnete
Zivilisten, weil sie sie der Unterstützung der Opposition verdächtigten oder um persönliche Rechnungen
zu begleichen. Insbesondere Journalisten gerieten zur Zielscheibe der Übergriffe. Die Opfer wurden unter
anderem mit Peitschen, Gürteln oder Metallrohren geschlagen. Oft kamen die Haftbedingungen grausamer,
unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung gleich. Auch in dem Versuch, die freie Meinungsäußerung zu
unterdrücken, wurden insbesondere Journalisten festgenommen und misshandelt.
Im Februar soll der Chefredakteur des Satireblatts
Pot-Pourri,
Guy Kasongo Kilembwe, bei seiner
Festnahme und während seiner einmonatigen Haft geschlagen worden sein. Die meiste Zeit hielten ihn die
Behörden ohne Kontakt zur Außenwelt in Gewahrsam. Er soll ausgepeitscht, mit Metallrohren geschlagen und
mit dem Tod bedroht worden sein, weil seine Zeitung den damaligen Innenminister kritisiert hatte.
Nach vorliegenden Meldungen prügelten im März Polizeibeamte auf
Trudon Kiomba Shesa ein,
der für die Zeitung
Congo Wetu in der Provinz Ost-Kasai arbeitete. Zuvor hatte das Blatt dem
Provinzgouverneur Fremdenfeindlichkeit und Machenschaften bei dem Verkauf von Grundstücken vorgeworfen.
Im März beziehungsweise April wurden
Washington Lutumba von
Le Potentiel und
Jules-César Mayimbi von
Forum des As – beide aus Kinshasa – unter der Anklage der
Rufschädigung verhaftet. Sie hatten in Artikeln den Vorwurf erhoben, dass in die Provinz Bas-Congo im Südwesten
der DRK geliefertes Mehl nicht für den menschlichen Verzehr geeignet gewesen sei. Jules-César Mayimbi
erhielt in der Haft keine Medikamente zur Behandlung seiner Tuberkulose. Beide Männer mussten von
Angehörigen mit Lebensmitteln versorgt werden. Im Mai wurden sie vorläufig auf freien Fuß gesetzt.
Bis Ende 2001 hatte kein Verfahren gegen sie stattgefunden.
(Amnesty International, Jahresbericht 2002)
Berichtsjahr 2000
Zu den am meisten bedrohten Personengruppen gehören Mitglieder von Oppositionsparteien, Menschenrechtsverteidiger
und kritische Journalisten. - Die Pressefreiheit blieb stark eingeschränkt.
Im September wurde das Recht auf freie Meinungsäußerung weiter
beschnitten, als die Regierung ankündigte, einige der größten privaten Fernseh- und Radiosender
staatlicher Kontrolle unterstellen zu wollen. Mehrere Journalisten wurden als gewaltlose politische
Gefangene in Haft genommen.
Am 19. Mai wurde der Herausgeber von
La Libre Afrique,
Freddy Loseke, wegen angeblicher
Verunglimpfung der Armee vom COM zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt.
Am 12. September befand das COM zwei weitere Zeitungsherausgeber,
Emile-Aimé Kakese Vinalu und
Jean-Pierre Mukuna Ekanga, der konstruierten Anklage der Gefährdung der Staatssicherheit für schuldig und
verurteilte sie zu zwei Jahren Haft. Jean-Pierre Mukuna Ekanga war an diesem Tag im Gericht als Zeuge erschienen.
Emile-Aimé Kakese Vinalu befand sich seit dem 23. Juni in Haft und war in dieser Zeit gefoltert worden.
Die Einrichtung seiner Zeitung, darunter auch zwei Computer und ein Drucker, wurde beschlagnahmt.
Am 17. Oktober wurde
André Tshowa Mbuisha, Mitglied der Organisation
Journalist in Gefahr
(
Journaliste en danger - JED), in Kinshasa festgenommen, als er einen Bericht über die Pressefreiheit
verteilte. Er wurde in ein inoffizielles Haftzentrum gebracht, dort ausgepeitscht und einer Scheinhinrichtung
unterzogen. Der Journalist kam wenige Stunden später wieder frei, wurde aber im Dezember vor das COM geladen
und zu nicht näher genannten Anklagen einvernommen.
Am 11. November wurde
Feu d’Or Bonsange, ein Journalist der Wochenzeitung
L’Alarme, festgenommen und
von den Sicherheitsdiensten ohne Kontakt zur Außenwelt in Haft gehalten. Am 11. Dezember kam er ohne
Anklageerhebung wieder frei,
L’Alarme allerdings musste ihr Erscheinen einstellen.
(Amnesty International, Länderkurzbericht 2000, Jahresbericht 2001)
Amnesty International Jahresberichte: Demokratische Republik Kongo -
www.amnesty.de
Weitere Informationen
FAZ-Korrespondent entführt (11/2008) -
www.zeit.de
Kongos Ex-Vize als Kriegsverbrecher verhaftet (05/2008) -
www.welt.de
Kindersoldaten in der DR Kongo (Amnesty-Kampagne 12/2006) -
www.amnesty.de
Pressefreiheit im Kongo (05/2006) -
www.dradio.de
Die Wahlen in der Demokratischen Republik Kongo (04/2006) -
www.amnesty.de
Demokratie in Afrika (04/2006) -
www.amnesty.de
Weitere Nachrichten und Berichte unter -
Nachrichten / Afrika
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