Journalist Pedro Matías Arrazola
Gast der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte
Pedro Matías Arrazola konzentriert sich in seiner Arbeit auf Übergriffe
und Korruption staatlicher Stellen im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca und auf das organisierte Verbrechen.
Seit 1986 ist er für mehrere Presseorgane in Oaxaca tätig und war Korrespondent der
unabhängigen politischen Zeitschrift "Proceso" und des Nachrichtenprogramms "CNI" des Fernsehsenders
"Canal 40".
(Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte, 2009)
Stiftung gewährt politisch Verfolgten sicheren Aufenthalt (07/2009) -
www.welt.de
Zur Webseite der Hamburger Stiftung für politische Verfolgte -
www.hamburger-stiftung.de
Mord an Direktor einer Tageszeitung
Leiche wurde auf einer Müllhalde gefunden
Reporter ohne Grenzen (ROG) verurteilt die Entführung und Ermordung des Zeitungsdirektors
Miguel Angel Villa Gómez Valle am 10. Oktober 2008. Der Journalist hatte die private Tageszeitung
Noticias de Michoacán geleitet
und lebte in Lázaro Cárdenas im Bundesstaat Michoacán.
Wie ROG berichtete, war die Leiche des Journalisten zwölf Stunden nach dessen Verschwinden auf einer
Müllhalde gefunden worden, rund 50 Kilometer von Lázaro Cárdenas entfernt.
Man hatte ihn mit zwei Kopf- und Bauchschüssen getötet.
(rg, 17.10.2008)
Quelle: Reporter ohne Grenzen vom 15.10.2008
Misshandlung von Migranten in Mexiko
Bedrohung und Einschüchterung eines Fotografen, der die Vorgänge dokumentierte
Über Schläge, Erpressungen und Massenausweisungen von Migrantinnen und Migranten, meist aus
Mittel- und Südamerika, die versuchen, in die USA zu gelangen, berichten Organisationen, die sich
für die Rechte dieser Flüchtlinge einsetzen, schon seit Jahren immer wieder. Diese massiven
Menschenrechtsverletzungen an den Flüchtlingen werden durch mexikanische Beamten begangen.
Der UN-Sonderberichterstatter über die Menschenrechte von Migranten besuchte im März 2008 die
nördlichen und südlichen Grenzgebiete Mexikos und äußerte seine Besorgnis über die Behandlung von
Migrantinnen und Migranten in den südlichen Bundesstaaten durch mexikanische Behördenvertreter
auf staatlicher, bundesstaatlicher und kommunaler Ebene.
Der Fotograf
Ireneo Mujica Zarate, der sich für die Rechte von Migrantinnen und
Migranten einsetzt, fotografierte am 31. März 2008 die gewalttätige Aktion von Beamten der
Einwanderungsbehörde Instituto Nacional de Migración (INAMI), die sie gemeinsam mit
Angehörigen der mexikanischen Marine in der Gemeinde Niltepec im Bundesstaat Oaxaca in
Südmexiko durchführten. Sie galt Auswanderern ohne Aufenthaltserlaubnis, die in einem
Güterzug nach Norden zu reisen versuchten. Nachdem sie den Zug gestoppt hatten, begannen
die Beamten und Marinesoldaten auf die Menschen bei ihrer Festnahme einzuprügeln.
Der Fotograf hatte die Behörde über sein Projekt, den Zug zu begleiten, unterrichtet. Als die
Beamten und Soldaten jedoch bemerkten, dass er ihr gewaltsames Vorgehen fotografierte, nahmen
sie ihn fest und konfiszierten die Kamera. Es gelang ihm aber noch, die Speicherkarte zu
entfernen und zu verstecken, so dass die Bilder doch veröffentlicht werden konnten. Manche
lassen auch auf mögliche Vergewaltigungen schließen.
Die Beamten beschuldigten Ireneo Zarate, ein "Menschenhändler" zu sein. Er wurde in die nächstgelegene
Hafteinrichtung für Migranten gebracht, aber noch in derselben Nacht ohne Anklage freigelassen.
Aufgrund einer für ihn sehr bedrohlichen Situation am 14. April 2008 kann man aber schließen, dass der
Fotograf und Menschenrechtler als Zeuge der Vorgänge Ende März akut bedroht ist und mit
weiteren Repressionen rechnen muss.
(zi, 24.05.2008)
Quelle: Amnesty International vom 25.04.2008
Eilaktion: Ireneo Mujica Zarate, Fotograf (04/2008) -
www.amnesty.de
Sorge um die Sicherheit
Leiter von "Radio Mixteca" erhielt wiederholt Morddrohungen
Melchor López leitet den kleinen kommerziellen Radiosender "Radio Mixteca" in
der Stadt Santiago Juxtlahuaca im südlichen Bundesstaat Oaxaca. Als er am
17. April 2008 die Arbeit verließ, folgten ihm Männer in einem weißen Jeep.
Und am nächsten Morgen gaben Männer, die ebenfalls in einem weißen Jeep saßen,
Schüsse auf sein Haus ab. Er musste daraufhin Schutz in Mexiko-Stadt suchen.
Seit der Gründung des Radiosenders im April 2007 hat er von Personen, die den
Sender für ihre eigenen politischen Interessen instrumentalisieren möchten,
wiederholt Morddrohungen erhalten.
Amnesty International vom 28.04.2008
Eilaktion: Melchor López, Leiter von Radio Mixteca (04/2008) -
www.amnesty.de
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Journalistin Lydia Cacho |
"Schweig oder stirb"
Journalisten leben in Mexiko inzwischen gefährdeter
als in jedem anderen lateinamerikanischen Land
Mexiko-Stadt - Wenn es um Ranglisten beim Handelsvolumen oder die Anzahl von Freihandelsverträgen geht,
ist die mexikanische Regierung in
den zurück liegenden Jahren stets stolz gewesen,
weltweit auf einem der vorderen Plätze zu stehen. Über einen im Vorjahr konsolidierten ersten
Platz
wird dagegen weniger gern gesprochen: Nach den Angaben der Lateinamerikanischen Journalistengewerkschaft
Felap reichte bei der Zahl ermordeter Journalisten wie schon in 2005 auch in 2006 kein anderes Land auf
dem Subkontinent an Mexiko heran. Zehn ermordete Kollegen zählt die Felap für das vergangene Jahr, doppelt
so viel wie im zweitplatzierten Kolumbien. Allein in den Monaten Oktober, November und Dezember starben
fünf Journalisten in Mexiko einen gewaltsamen Tod. Vier weitere gelten als vermisst.
Kaum eines der Verbrechen wird aufgeklärt
In den meisten Fällen werden die Morde mit zu viel Informationen und Nachforschungen von Journalisten
über den Drogenhandel und andere Formen des organisierten Verbrechens in Verbindung gebracht. Kaum eines
der Verbrechen wird von den staatlichen Ermittlungsbehörden aufgeklärt. Für die Ermordung des für den
alternativen Medienverbund Indymedia arbeitenden US-Kameramannes
Bradley Will Ende Oktober 2006 im
südmexikanischen Bundesstaat Oaxaca werden sogar direkt Mitglieder der dort regierenden Revolutionären
Institutionellen Partei (PRI) verantwortlich gemacht. Doch die von Will selbst noch auf Film festgehaltenen
mutmaßlichen Mörder kamen nach vorübergehender Festnahme "mangels Beweisen" frei. Will hatte die Rebellion
der Bevölkerung gegen ihren Gouverneur gefilmt.
Über 500 Attacken auf Kollegen und Medien
Im vergangenen August kam eine Arbeitsgruppe des Parlaments nach zehnmonatiger Informationssammlung zu dem
Schluss, dass im Strafgesetzbuch vieler mexikanischer Bundesstaaten das Delikt der "Diffamierung" vor allem
dazu dient, Journalisten einzuschüchtern. In ihrem fast 200-seitigen Abschlußbericht fasste die Arbeitsgruppe
außerdem die Botschaft der Journalistenmorde in der Formulierung
"Schweig oder stirb" zusammen.
Das Mexikanische Netzwerk zum Schutz von Journalisten und Kommunikationsmedien bilanzierte im Dezember
die sechsjährige Regierungsperiode des damals gerade aus dem Amt geschiedenen Präsidenten Vicente Fox von
der Partei der Nationalen Aktion (PAN): Über 500 Attacken auf Kollegen und Medien, davon insgesamt 27 Morde,
über 30 Verhaftungen von Journalisten und mehrere Dutzend Fälle, in denen sie wegen unbequemer Berichterstattung
zum Rapport vor die Behörden zitiert wurden. "Die Regierung war unfähig, die notwendigen Garantien für die
Meinungsfreiheit zu geben oder gar der Justiz Geltung zu verschaffen", heißt es in der Erklärung des
Netzwerkes.
Todesdrohungen gegen Redakteure lokaler Zeitungen und Mitarbeiter eines freien Radios, ein Bombenattentat auf
das Auto eines Journalisten und Granatenwürfe gegen eine Zeitungsredaktion sind weitere konkrete Beispiele für
die zunehmende Gefährdung freier Berichterstattung in Mexiko. Die Journalistengremien sprechen von der
"Spitze des Eisbergs", da viele Drohungen und Angriffe auf Medienangehörige in den ländlichen
Regionen gar nicht registriert würden. Gefordert wird, Ermittlungen generell von Bundesbehörden durchführen
zu lassen und effektiv gegen staatliche Funktionsträger vorzugehen, die direkt in die Attacken auf
Journalisten verwickelt sind oder sie aktiv beziehungsweise durch Unterlassung decken.
Kleiner Lichtblick im trostlosen Panorama
Am 02. Januar endete nach zwölf Monaten das von einem
Unternehmer angestrengte Gerichtsverfahren gegen die mexikanische Journalistin
Lydia Cacho mit einer
Einstellung. Cacho hatte in einem Buch und zahlreichen Artikeln die Praktiken von Kinderhandel und
Kinderpornographie in Mexiko beschrieben. Dabei nannte sie die Namen mehrerer mutmaßlich verwickelter
Unternehmer und Politiker. In diesem Kontext wurde sie Opfer zahlreicher anonymer Drohungen, einer mit
dem Delikt der Diffamierung begründeten kurzzeitigen Verhaftung und eines Gerichtsprozesses, der in
weiten Teilen dem tumben Versuch gleichkam, eine kritische Stimme mundtot zu machen.
Bericht von Gerold Schmidt / npla (07.01.2007)
Appellfälle
Lydia Cacho Ribeiro: UNESCO-Preis für Pressefreiheit 2008 (04/2008) -
www.unesco.de
Misael Sánchez Sarmiento, Journalist - Mordrohungen (06/2007) -
www.amnesty.de
Lydia Cacho, Journalistin - Erneut Sorge um die Sicherheit (05/2007) -
www.amnesty.de
Weitere Informationen
Amnesty fordert Schutz der Menschenrechte (04/2010) -
www.amnesty.de
Miguel Ángel Gutiérrez Ávila: Anthropologist, author ... (11/2009) -
www.internationalpen.org.uk
ROG-Untersuchungsbericht: Passive Behörden sind ... (10/2009) -
www.reporter-ohne-grenzen.de
Die meisten Journalisten werden in Mexiko vermisst (08/2009) -
www.reporter-ohne-grenzen.de
Gefährliche Arbeit für Journalisten in Mexiko (04/2009) -
www.dw-world.de
Sorge um die Sicherheit: Zwei Radiomoderatoren (07/2008) -
www.amnesty.de
Central America Special Action (CASA) und Guatemala-Koordination -
Rundbrief April 2008
Seit 1993 wurden in Mexiko über 500 Frauen ermordet (04/2008) -
www.amnesty.de
Director-General condemns killing of journalist Amado Ramirez (04/2007) -
portal.unesco.org
Mexico - Laws but no justice (05/2007) -
www.amnesty.org
US-Kameramann Brad Will durch Schüsse ... getötet (10/2006) -
www.reporter-ohne-grenzen.de
Director-General condemns murder of Francisco Javier Ortiz Franco (06/2004) -
portal.unesco.org
Mexiko (Amnesty International Jahresberichte) -
www.amnesty.de
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