Palm-Preis 2010 an Iranerin und Mexikaner
Preisverleihung am 5. Dezember in Schorndorf
Die Palm-Stiftung e. V. verleiht den internationalen Johann-Philipp-Palm-Preis für
Meinungs- und Pressefreiheit in diesem Jahr an die iranische Frauenrechtlerin Mahboubeh Abbasgholizadeh und den
mexikanischen Journalisten Pedro Matías Arrazola.
Mahboubeh Abbasgholizadeh ist eine prominente Frauenrechtlerin und Publizistin im Iran, die sich
seit 1993 für die Rechte der Frauen und die Demokratisierung in ihrem Land einsetzt. Sie arbeitete als
Herausgeberin der inzwischen verbotenen Frauenzeitschrift „Farzaneh“, übersetzte und veröffentlichte
eine Reihe von feministischen Büchern und engagierte sich für die Frauenrechte auf internationalen
Konferenzen. Sie ist Direktorin der NGOTC, einer Organisation, die Frauen mit Projekten und Ausstellungen
unterstützt und fördert, und sie setzt sich in einer Kampagne gegen die Todesstrafe durch Steinigung ein.
2004 und 2007 saß sie wegen „staatsfeindlicher Akte und der Verbreitung von Propaganda“ und öffentlicher
Proteste gegen Menschenrechtsverletzungen im berüchtigten Evin-Gefängnis in Einzelhaft. Im Mai
2010 wurde sie vom iranischen Revolutionsgericht in Abwesenheit wegen Akten gegen die nationale Sicherheit
zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren und 30 Peitschenhieben verurteilt. Das Kuratorium der
Stiftung hat sie auf Vorschlag von Seyran Ates gewählt, der Palm-Preisträgerin von 2008.
Pedro Matías Arrazola stammt aus Oaxaca, einem der ärmsten Bundesstaaten Mexikos, indem es immer wieder
zu schweren Unruhen und Menschenrechtsverletzungen kommt. Seit 1986 arbeitet er als Journalist für
politische Zeitschriften, eine Nachrichtenagentur und für Radio- und Fernsehsender. Er schreibt vor
allem über soziale Missstände, Gewalt, politische Korruption und über das organisierte Verbrechen.
Damit setzte er sich der großer Gefahr aus. Im Oktober 2008 wurde er von Unbekannten überfallen und für
zwölf Stunden festgehalten. Sie inszenierten eine Scheinhinrichtung und drohten, ihn zu vergewaltigen
und anschließend zu enthaupten. Nach der Entführung lebte er in wechselnden Verstecken geschützt von
Einwohnern seiner Stadt und der Kirche, bevor er 2009 für ein Jahr ins deutsche Exil kam. Arrazola
wurde für den Preis von der
Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte vorgeschlagen, deren Gast
er war.
Beide Preisträger werden für ihren besonderen mutigen und unbeirrbaren
Einsatz für die Meinungs- und Pressefreiheit ausgezeichnet. Der Preis ist mit 20.000 EUR dotiert und wird alle zwei
Jahre vergeben. Sein Nahmensgeber ist der aus Schorndorf stammende Buchhändler Johann Philipp Palm, der
1806 die Veröffentlichung einer kritischen Schrift gegen die französische Militärdiktatur Napoleons
mit dem Leben bezahlte.
Mit dem Palm-Preis will die Stiftung dazu beitragen, dass die Meinungs- und
Pressefreiheit im In- wie im Ausland als unabdingbare Voraussetzung jeder Demokratie durchgesetzt und
bewahrt bleibt. Bei der Suche nach geeigneten Kandidaten wird sie unterstützt von langjährigen
Kooperationspartnern, zu denen auch
Amnesty International gehört.
Die Preisverleihung findet am 5. Dezember 2010 in der Barbara-Künkelin-Halle in Schorndorf in
Baden-Württemberg statt. Den Festvortrag wird der ehemalige Bundesverfassungsrichter Prof.
Dr. Udo Steiner halten.
(rg, 04.09.2010)
Quelle: Palm-Stiftung e.V. vom 26.08.2010
Weitere Informationen
Pedro Matías Arrazola
Verfolgter Journalist aus Mexiko findet Zuflucht in Hamburg (06/2009) -
www.welt.de
Interview: "Sie werden mich nicht zum Schweigen bringen" (2009) -
www.hamburg.de
Drogenkrieg in Mexiko - Reporter Pedro Matías Arrazola entführt (07/2009) -
www.spiegel.de
Mahboubeh Abbasgholizadeh
Urgent Action: Trauernde festgenommen (12/2009) -
www.amnesty.de
Zeitungsherausgeberin Mahboubeh Abbasgholizadeh ... frei (03/2007) -
Iran - Journalistinnen
Urgent Action: Drohende Misshandlung (03/2007) -
www.amnesty.de
Urgent Action: Haft ohne Kontakt zur Außenwelt, drohende Folter (03/2004) -
www.amnesty.de
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