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Russland


Sacharow-Preisträger festgenommen

Bis zu 100 Regierungskritiker ebenfalls betroffen

Am 31. Januar 2010 hatten sich in Moskau mehrere hundert Menschen zu einer Demonstration versammelt. Trotz eines Verbots protestierten sie gegen Einschränkungen des Versammlungsrechts. Daraufhin wurden bis zu 100 Regierungskritiker - darunter der Leiter der Menschenrechtsorganisation "Memorial" Oleg Orlow und die 82-jährige Ljudmila Alexejewa sowie der Oppositionelle Boris Nemtsow - festgenommen.

Der ehemalige stellvertretende Ministerpräsident Boris Nemtsow ist heute Anführer der Oppositionsgruppe "Solidarität". Oleg Orlow und Ljudmila Alexejewa sind - stellvertretend für die Organisation "Memorial" und andere Menschenrechtsverteidiger in Russland - am 16. Dezember 2009 erst vom Europäischen Parlament in Straßburg mit dem "Sacharow-Preis für geistige Freiheit" geehrt worden.

(rg, 03.02.2010)

Quellen: sueddeutsche.de und Fokus-Online vom 31.01.2010,
ARD Tagesschau vom 01.02.2010

Führender Oppositioneller festgenommen (01/2009) - www.focus.de

100 Kreml-Gegner festgenommen (01/2009) - www.sueddeutsche.de

Sacharow-Preis 2009 an russische Menschenrechtler (12/2009) - Preis für geistige Freiheit




Wahlen nicht fair und frei

Berichterstattung über Opposition behindert,
staatliche Medien bevorzugen Berichte über Putin

Bereits im Vorfeld der Wahlen in Russland kritisierte Reporter ohne Grenzen die Art und Weise, in der die Berichterstattung über die oppositionellen Parteien verhindert wurde, während die öffentlichen Fernsehstationen die Kandidatur Putins systematisch unterstützten.

ROG fordert die internationale Gemeinschaft auf, diese Missachtung der demokratischen Regeln deutlich zu verurteilen. Die Einschränkung des Zugangs zu fairen unparteiischen Informationen setzen ein schlechtes Vorzeichen für die Präsidentschaftswahlen im März des kommenden Jahres.

Journalisten wurden festgenommen und erst freigelassen, nachdem sie Begründungen geschrieben hatten, warum sie bei bestimmten Demonstrationen anwesend waren. Irina Borobyeva von Radio Echo Moskaus wurde nahe gelegt, "zurückhaltend zu berichten".

Nikolai Andrushenko, Mitbegründer von "Novy Petersburg", wurde im November zu zwei Monaten Haft verurteilt wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt und gegen die Durchsuchung seiner Wohnung. Alevtina Andreyeva, die Herausgeberin der Wochenzeitschrift, wurde aufgefordert, Andrushenkos Artikel "Warum gehe ich zum Marsch der Dissidenten", und die Veröffentlichung des Programms der Opposition zurückzuziehen. Als sie sich weigerte, fand sie niemanden, der es drucken wollte.

Das Moskauer "Center for Journalism in Extreme Situations" hat untersucht, wie viele Stunden im Vorfeld der Wahlen die verschiedenen politischen Parteien bei drei öffentlichen Fernsehstationen auf Sendung waren. Es zeigte sich, dass die meisten Medien der Regierungspartei einen deutlichen Vorteil eingeräumt hatten. Vier von fünf Sendern gewährten der Regierungspartei mehr als 75 Prozent der Sendungszeiten. Die Opposition wurde ignoriert und ihr keine Gelegenheit gegeben ihre Sichtweise zu präsentieren. Insgesamt war die Berichterstattung über Putin überwältigend positiv und neutral.

(h.m., 08.12.2007)

Wahlen nicht fair und frei (12/2007) - www.reporter-ohne-grenzen.de

CJES-Report: Second report on media coverage ... (11/2007) - www.memo98.cjes.ru




Kommentar

Russland: Wahlen zur Duma

Sorgen um das "zarte Pflänzchen Demokratie"

Diesen Kommentar zur Parlamentswahl in Russland aus der Mainzer Allgemeinen Zeitung vom 1. Dezember 2007 wollten wir den Besuchern unserer Homepage nicht vorenthalten.
In Russland wird am Sonntag ein Parlament gewählt. Wer wählt, ist nicht so ganz klar. Manche sagen: das Volk... Mmhh. Putin ist ja ein lupenreiner Demokrat. Das wissen wir von Ex-Kanzler Schröder, der jetzt schwer mit Russlandgeschäften zugange ist. Gazprom-Gerhard nennen wir ihn deshalb seit langem.

So ein zartes Pflänzchen Demokratie muss man aber schützen, sagt sich der gute Putin, vor Krawall, Aufruhr und vor allem vor Gegenkandidaten. Deshalb lässt Putin Leute, die gegen ihn demonstrieren oder gar gegen ihn kandidieren, in die Obhut seiner Polizei nehmen, damit sie nicht auf der zarten Demokratie rumtrampeln.

"Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus", sagt das deutsche Grundgesetz. In manchen Teilen der Erde kehrt sie aber nie wieder zum Volk zurück.

Reinhard Breidenbach, Mainzer Allgemeine Zeitung vom 01.12.2007 (zi, 02.12.2007)

Duma-Wahlen: In Russland öffnen die Wahllokale (12/2007) - www.zeit.de

Vor der Duma-Wahl in Russland: "Nicht frei und fair" (12/2007) - www.sueddeutsche.de

Putins Ränkespiele (10/2007) - www.dradio.de




Weitere Informationen


Mord an russischen Journalisten Magomed Jewlojew (03/2010) - www.reporter-ohne-grenzen.de

Projekt Putin: Die russischen Präsidentschaftswahlen ... (03/2008) - www.amnesty.de

Russland und die Meinungsfreiheit (02/2008) - www.sueddeutsche.de

Unausgewogene Berichterstattung zugunsten Putins (02/2008) - www.reporter-ohne-grenzen.de

Der Kreml knebelt Medien und NGOs (02/2008) - www.amnesty.de

Starker Staat - Zur Menschenrechtslage in Russland (05/2007) - www.amnesty.de

EU und Russland - Fundament mit Rissen (05/2007) - www.amnesty.de

Massenfestnahmen bei Anti-Putin-Demonstration (04/2007) - ww.dw-world.de

Tschetschenien: Amtseinführung eines Verbrechers (04/2007) - www.igfm.de

Russland: NGO geschlossen - Neues NGO-Gesetz zeigt Wirkung (01/2007) - www.igfm.de

Europa/Russland: Interessen und Werte (12/2006) - www.amnesty.de

Menschenrechte in Rußland - Jahrbuch Menschenrechte 2003 (pdf)

Amnesty International Jahresberichte: Russische Föderation - www.amnesty.de



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