Putin-Kritikerin erhielt in Großbritannien politisches Asyl
Elena Tregubova - mutige Frau oder schillernde Figur?
Beide Ansichten existieren über die russische Autorin und Journalistin. Nach eigenen Aussagen
geriet sie nach dem Attentat auf
Anna Politowskaya in Panik, zumal sie aus Kremlkreisen gewarnt
worden sei, und floh für ein paar Wochen nach Israel. um dort erst einmal unterzutauchen. Nach
ihrer Rückkehr nach Moskau fühlte sie sich, wie sie sagt, ständig beobachtet und bedroht. Sie
verließ Russland erneut, um in London um Asyl nachzusuchen, das ihr jetzt offiziell gewährt
wurde, wie sie gerade in einem Telefoninterview mitteilte.
In Israel hatte sie vom Tod
Alexander Litwinenkos erfahren, wieder eine Nachricht, die sie
erschreckte und erschütterte. In London traf sie sich dann mit dem Oligarchen und prominenten
Widersacher Putins Boris Beresowski, um von ihm vielleicht etwas über die Hintergründe zu
diesem Aufsehen erregenden Mord zu erfahren. Beresowski habe ihr gesagt, er wisse selbst nicht,
warum man Sascha und nicht ihn vergiftet habe. Sie würde lügen, wenn sie sagte, dass sie sich
in London nun wirklich sicher fühle, gestand sie ein. Obwohl ihr der Schutz von Scotland Yard
ein gewisses Gefühl von Sicherheit gebe, habe sie doch immer noch Angst. Nach dem, was mit
Alexander Litwinenko passiert ist. Zweifle man nicht mehr daran, dass man auch im Ausland
ständig mit der Gefahr lebe. Sie mache sich auch große Sorgen um ihre Eltern in Moskau.
Elena Tregubova wird als mutige Frau angesehen, die sich nicht leicht unter Druck setzen lässt.
Sie hat aber auch Kritiker, die sie als eine schillernde Persönlichkeit einschätzen, zu sehr bemüht
um die Inszenierung ihrer Rolle als Opfer des russischen Systems. 2003 erschien ihr Aufsehen
erregendes Buch über den Kreml und Präsident Wladimir Putin, in dem sie diesem unter anderem
vorwarf, die Medien zu einer Propagandamaschine für den Kreml gemacht und die Meinungsfreiheit entsprechend
eingeschränkt zu haben. Sie deutete auch an, dass Putin sie noch in seiner Zeit als Geheimdienstchef habe
verführen wollen. Wenige Monate nach Erscheinen des Buches explodierte
ein Sprengkörper vor ihrer Wohnung in Moskau, ohne sie zu verletzen. Damals arbeitete sie für
die Zeitung "Kommersant", verlor dann aber ihren Job.
"Es gibt in Russland keine Demokratie mehr", sagt die Putin-Kritikerin lapidar. "Früher hatten wir
ein totalitäres System, jetzt haben wir ein autoritäres Regime." Die Bilder von Putins Besuch bei
George Bush hätten ihre Wut geweckt. Früher schon äußerte sie ihr Unverständnis darüber, dass
der Westen den russischen Staatschef nicht in seine Schranken verwiesen habe. "Vor fünf Jahren",
erinnert sie sich, "war ich noch ganz anders. Ich hatte andere Wertmaßstäbe ... Heute sind mir
andere Dinge wichtig ..." Beziehungen, die ihr helfen, "das alles zu überstehen". Sie arbeite an
einem neuen Buch, schreibe auch ab und an Kommentare für internationale Zeitungen. Im Moment,
sagt sie, wolle sie einfach nur überleben.
(zi, 04.04.2008)
Quellen: 3sat Kulturzeit vom 02.04.2008)
Kreml-kritische russische Journalistin untergetaucht
1998 lud Geheimdienstchef Putin die attraktive junge Frau zum Essen ein -
Jahre später ließ
man eine Bombe vor ihrem Haus hochgehen
Der Anschlag misslang, da sie das Haus wenig später als beabsichtigt verließ. In zahlreichen Artikeln hat
Elena Trebugova unerschrocken die russische Politik kritisch kommentiert.
Seit dem Erscheinen ihres Buches "Die Mutanten des Kreml", in dem sie das politische und wirtschaftliche
Zusammenspiel zwischen dem Kreml und dem "Oligarchentum" des neuen Russlands aufdeckte, und
das innerhalb wie außerhalb Russlands beträchtliches Aufsehen erregte, wurden ihr Ansehen und ihre
Persönlichkeit in der russischern Öffentlichkeit systematisch demontiert.
Offensichtlich sah sie sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt
akut so bedroht, dass sie es vorzog, sich vorerst an
einem unbekannten Ort in Sicherheit zu bringen.
(j.z., 20.12.2006)
Gespräch mit Elena Tregubova (09/2007) -
www.amnesty.de
Offener Brief an Kanzlerin Merkel: Schweigen heißt Mittäterschaft (10/2006) -
www.zeit.de
-
Die Mutanten des Kreml
Mein Leben in Putins Reich
Die schonungslose Betrachtung und Beschreibung des
russischen Machtsystems und der kruden Psychologie
des "Zaren" Putin erregte weltweites Aufsehen.
Elena Tregubova.
Erlebnisbericht.
Aus dem Russischen von Olga Radetzkaja und Franziska Zwerg.
Mundpropaganda 4, Tropen Verlag, Berlin,
384 Seiten, 4. Auflage 2006.
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