Fouad Ahmad al-Fahrhan ist frei
Blogger saß über vier Monate im Gefängnis
ohne Anklage und Verfahren
Der Blogger
Fouad Ahmad al-Fahrhan wurde am 26. April 2008 ohne Anklage freigelassen.
Der 32-jährige Online-Journalist ist Besitzer einer kleinen IT-Firma. Er wurde am 10. Dezember 2007 in seinem Büro
festgenommen und im Dhaban-Gefängnis in der Stadt Jiddah festgehalten.
Vor seiner Festnahme soll ihn ein Mitarbeiter des Innenministeriums gewarnt haben, dass man ihn
vernehmen wolle. Er ging davon aus, dass dies in Zusammenhang mit seinen Artikeln über politische
Gefangene in seinem Internet-Blog stand.
Amnesty International geht davon aus, dass Fouad Ahmad al-Fahrhan wegen seiner friedlichen Kritik an der Politik der Regierung festgenommen wurde.
Nach
Reporters Without Borders wurde er offenbar inhaftiert, weil er auf seiner Webseite "http://www.alfarhan.org" unter einem Pseudonym einen
Blog veröffentlicht hatte über die Vor- und Nachteile ein Mosleme zu sein.
Fouad Ahmad al-Fahrhan ist laut
Reporters Without Borders der erste Internet-Dissident in
Saudi-Arabien, der wegen seiner Äußerungen im Internet inhaftiert wurde.
Amnesty International und Reporters Without Borders vom 28.04.2008
Über einen Monat Gefängnis für Internet-Journalisten
ohne Begründung oder Anklage
Gefahr der Folter oder anderweitiger Misshandlungen
Sicherheitskräfte nahmen den Journalisten und Inhaber einen kleinen IT-Firma
Fouad Ahmad
al-Fahrhan am 10. Dezember 2007 fest. Sein Haus wurde durchsucht. Das Innenministerium bestätigte
am 31. Dezember lediglich seine Festnahme. Er wird im Dhaban-Gefängnis von Jiddah, der Hauptstadt
der Provinz Mekka, ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten.
Fouad Ahmadal-Fahrhan ist verheiratet und hat zwei Kinder. Seiner Familie soll mitgeteilt worden sein, dass
sie ihn erst 30 Tage nach Haftbeginn besuchen könne.
Übliches Vorgehen der saudischen Behörden gegen politische Gefangene
Fouad Ahmad al-Fahrhan machte vor seiner eigenen Festnahme auf ohne Anklage und Verfahren inhaftierte gewaltlose
politische Gefangene aufmerksam, unter ihnen neun Männer, die seit dem 3. Februar 2007 auf gleiche Weise
festgehalten werden (siehe Eilaktion/Urgent Action UA-027/2007 vom 5. Februar 2007). Amnesty International
geht davon aus, dass sie festgenommen wurden, weil sie friedlich für die Menschenrechte eintraten.
Die Menschenrechtsorganisation ist auch im Fall Fouad Ahmad al-Fahrhans der Auffassung, dass er wegen seiner
Kritik an der Politik der Regierung das gleiche Schicksal teilt.
Unfaire Prozesse hinter verschlossenen Türen
Diese Praxis wird von den saudischen Behörden systematisch geübt. Systemkritiker hält man auf unbestimmte Zeit,
oft über einen längeren Zeitraum ohne Kontakt zur Außenwelt fest.
Wenn in selteneren Fällen unter strikter Geheimhaltung und oft ohne anwaltlichen Beistand ein Verfahren
stattfindet, entspricht es in keiner Weise den Mindeststandards für einen fairen Prozess.
(z.i., 09.01.2008)
Quelle: Amnesty International vom 04.01.2008
Eilaktion UA-027/2007: Haft ohne Kontakt zur Außenwelt ... (02/2007) -
www.amnesty.de
Einschränkte Presse- und Meinungsfreiheit
Auszüge aus den Kurz- und Jahresberichten
von Amnesty International
Berichtsjahr 2008
Die Freiheit der Printmedien hat sich in den letzten Jahren etwas verbessert.
Es finden mittlerweile öffentliche Diskussionen über Menschenrechte und bürgerliche
Rechte, wie z.B. über das Frauenwahlrecht in den Zeitungen (Saudi Gazette oder Arab News) statt.
Trotzdem rangiert Saudi-Arabien auf der Liste der Pressefreiheit 2007, herausgegeben
von der Menschenrechtsorganisation "Reporter ohne Grenzen" auf Platz 148 von 169.
Mehrere Schriftsteller und Journalisten, die Reformen anmahnten, wurden belästigt,
kurzzeitig inhaftiert oder mit Reiseverboten belegt und ihre Artikel wurden zensiert.
Restriktionen gibt es nach wie vor im Internet. Viele Webseiten sind gesperrt und für
saudi-arabische Bürger nicht zugänglich. Dazu gehören unter anderem auch die
Internetseiten von Menschenrechtsorganisationen.
Im Dezember 2007 wurde Fouad Ahmad al-Fahrhan, der 32-jährige Besitzer einer kleinen
IT-Firma, von Sicherheitskräften in seinem Büro ohne Angabe von Gründen festgenommen.
Er wurde zunächst ohne Kontakt zur Außenwelt in Dhaban-Gefängnis von Jeddah festgehalten.
Amnesty International ging davon aus, dass Fouad Ahmad al-Fahrhan wegen seiner friedlichen
Kritik an der Politik der Regierung festgenommen wurde. Er hatte in seinem Internet-Journal
über politische Gefangene berichtet. Fouad Ahmad al-Fahrhan wurde am 26. April 2008 ohne
Anklageerhebung wieder freigelassen.
(Amnesty International, Länderkurzinfo 10/2008)
Berichtsjahr 2007
Die Freiheit der Printmedien hat sich in den letzten Jahren etwas verbessert. Es finden mittlerweile
öffentliche Diskussionen über Menschenrechte und bürgerliche Rechte, wie z.B. über das Frauenwahlrecht
in den Zeitungen (Saudi Gazette oder Arab News) statt. Trotzdem rangiert Saudi-Arabien auf der Liste der
Pressefreiheit 2007, herausgegeben von der Menschenrechtsorganisation "Reporter ohne Grenzen" auf Platz 148
von 169.
Mehrere Schriftsteller und Journalisten, die Reformen anmahnten, wurden 2006 belästigt, kurzzeitig
inhaftiert, wurden mit Reiseverboten belegt und ihre Artikel wurden zensiert. Restriktionen gibt es nach wie
vor im Internet. Viele Webseiten sind gesperrt und für saudi-arabische Bürger nicht zugänglich. Dazu gehören
unter anderem auch die Internetseiten von Menschenrechtsorganisationen.
(Länderkurzbericht der Koordinationsgruppe Saudi Arabien/Golfstaaten, 02.11.2007)
Berichtsjahr 2006
Obwohl die Pressefreiheit in den letzten Jahren zugenommen hatte, wurden Schriftsteller und Journalisten,
die sich für Reformen aussprachen, vorübergehend festgenommen, mit Reiseverboten belegt und zensiert. Einige
wurden auch von Privatpersonen schikaniert, die dem konservativen Spektrum der Gesellschaft zuzuordnen waren.
Im Februar durfte die Tageszeitung Shams sechs Wochen lang nicht erscheinen. Die Zeitung hatte die
Mohammed-Karikaturen im Rahmen ihrer Kampagne für Aktionen gegen die Karikaturen abgedruckt.
Im März wurde Berichten zufolge
Mohsen al-Awaji festgenommen, nachdem er im Internet Artikel
veröffentlicht hatte, in denen er die Behörden kritisierte und die Abschaffung der Zensur von Internetseiten
forderte. Er wurde nach acht Tagen ohne Anklageerhebung wieder freigelassen.
Im Mai belegte das Informationsministerium den Intellektuellen
Hamza al-Muzaini mit einer Geldstrafe,
weil er angeblich in einem Artikel einen Geistlichen kritisiert hatte. Bei einer Rede über die Reform der
Lehrpläne für Schulen wurde er im September von einer Gruppe junger Männer tätlich angegriffen und als
"Ungläubiger" bezeichnet.
Im Oktober wies ein Gericht die Klage gegen
Raja al-Sanei’ ab, die ein Buch über das Leben junger
saudi-arabischer Frauen geschrieben hatte. Die Behörden hatten ihr vorgeworfen, die saudische Gesellschaft
zu diffamieren und Verse des Koran falsch auszulegen. Das Ministerium für Kultur und Information verbot die
Vorstellung ihres Buchs auf der Internationalen Buchmesse von Riad, weil es Saudi-Arabien und den Islam
beleidige. Ungefähr 20 weitere Bücher wurden aus dem gleichen Grund verboten.
Zahlreiche Menschen, darunter Reformbefürworter, wurden nach ihrer Entlassung aus dem Gewahrsam der
Behörden mit Reiseverboten belegt.
Dr. Matrouk al-Falih und
Muhammad Sa’eed Tayyeb, die im Jahr 2004
festgenommen worden waren, weil sie zu Reformen aufgerufen hatten, sollen in ihren Rechten auf freie
Meinungsäußerung und Bewegungsfreiheit nach wie vor Einschränkungen unterworfen gewesen sein. Sie waren nach
ihrer Freilassung im August 2005 beziehungsweise im März 2004 mit den Sanktionen belegt worden.
Muhammad Sa’eed Tayyeb wurde dem Vernehmen nach gezwungen, bei seiner Entlassung aus dem Gewahrsam der Behörden
eine Erklärung zu unterschreiben, dass er sich weiterer Aufrufe zu politischen Reformen enthalten werde.
Gegen
Sa’ad Bin Sa’id Bin Zu’air, seinen Bruder
Mubarak Bin Sa’id Bin Zu’air und ihren Vater
Dr. Sa’id Bin Zu’air sollen Zensurmaßnahmen und Reiseverbote verhängt worden sein. Sa’ad Bin Sa’id Bin Zu’air
wurde außerdem von Juni bis August ohne Anklage oder Gerichtsverfahren und ohne Möglichkeit des Kontakts mit
der Außenwelt im ’Ulaisha-Gefängnis in Riad gefangengehalten, nachdem er dem Fernsehsender Al-Jazeera ein
Interview gegeben hatte.
(Amnesty International, Jahresbericht 2007)
Berichtsjahr 2005
Mohamed al-’Oshen, Chefredakteur der Wochenzeitung al-Mohayed, wurde im Januar festgenommen, Berichten
zufolge nachdem er regierungskritische Artikel veröffentlicht hatte. Es hieß, er sei Ende des Monats ohne
Anklageerhebung wieder freigekommen.
Gleichfalls im Januar verurteilte ein Gericht 14 Männer und eine Frau zu Haftstrafen zwischen zwei und sechs
Monaten und zusätzlich zu 100 bis 250 Peitschenhieben, weil sie sich im Dezember 2004 in Jiddah an einer
Demonstration der Bewegung für islamische Reform beteiligt hatten. Im selben Zusammenhang warteten Berichten
zufolge noch mindestens sechs weitere Personen auf die Eröffnung ihres Gerichtsverfahrens.
(Amnesty International, Jahresbericht 2006)
Berichtsjahr 2004
Im Berichtszeitraum mussten sich fünf Kritiker der Staatsmacht in drei getrennten Verfahren vor Gericht
verantworten.
In einem der Prozesse wurde gegen die beiden Universitätsprofessoren
Dr. Matrouk al-Falih und
Dr. Abdullah al-Hamid sowie den Schriftsteller
Ali al-Damayni verhandelt. Die drei gehörten zu einer Gruppe
von elf Akademikern und Intellektuellen, die im März festgenommen worden waren, weil sie politische Reformen
gefordert und die Regierung kritisiert hatten. Acht der Festgenommenen kamen wieder frei, nachdem sie sich
Berichten zufolge schriftlich verpflichtet hatten, derartige Forderungen nicht zu wiederholen und
regierungskritische Äußerungen zu unterlassen. Die drei genannten Personen sollen es abgelehnt haben, eine
solche Erklärung zu unterschreiben, und blieben in Haft. Entgegen der sonst üblichen Geheimhaltungspraxis
der Behörden durften sie allerdings Kontakt zu ihren Familien und Rechtsanwälten aufnehmen und wurden vor
Gericht gestellt. Gegen die drei wurde ein öffentliches Verfahren angekündigt, zu dem auch Amnesty International
einen Beobachter entsenden wollte. Dieser erhielt jedoch keine Einreisegenehmigung.
Im Juni wurden der britische Fernsehjournalist
Frank Gardner und sein Kameramann
Simon Cumbers von
bewaffneten Männern unter Beschuss genommen, als sie in Riad Filmaufnahmen für eine Reportage machen wollten.
Frank Gardner überlebte den Anschlag schwer verletzt, Simon Cumbers verstarb später im Krankenhaus.
(Amnesty International, Jahresbericht 2005)
Länderkurzinfo: Saudi-Arabien (10/2008) -
www.amnesty.de
Länderkurzbericht: Saudi-Arabien (11/2007) -
www.amnesty.de
Amnesty International Länderberichte: Saudi-Arabien -
www.amnesty.de
Amnesty International Jahresberichte: Saudi-Arabien -
www.amnesty.de
Weitere Informationen
Ein Staat geführt wie ein Unternehmen (09/2007) -
www.dradio.de
Politikwissenschaftler Ibrahim al-Mugaiteeb - Der Stern von Riad (08/2006) -
www.amnesty.de
Dichter und Journalist Ali Al-Dumaini zu neun Jahren Haft verurteilt (07/2005) -
www.dradio.de
Internet: Kein Anschluss unter dieser Adresse (07/2003) -
www.dw-world.de
Ein Königreich entzieht sich der Menschenrechtsdiskussion -
Jahrbuch Menschenrechte 1999
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