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Länderberichte, © Amnesty International Länderberichte
Somalia



 
Themengruppe 2907, Amnesty International
 


Somalia

Nationalflagge Republik Somalia



Journalisten sind nicht mehr sicher

Zunehmende Verschlechterung der Verhältnisse
seit der Einnahme von Mogadischu im Dezember 2006

Nach dem Sturz der Regierung Siad Barre im Jahr 1991 konnten sich langsam private Medien und Zeitungen etablieren, so dass Journalisten die Möglichkeit sahen, zu arbeiten. Doch nach der äthiopischen Militärintervention im Dezember 2006 verschlechterten sich die Verhältnisse ständig.

Letzte Anzeichen dafür waren: die Belagerung des Radiosenders Shabelle und der Mordanschlag auf den Programmdirektor im September 2007, die zeitweilige Schließung der Sender Garowe und Simba sowie die Festnahme von mehreren Redaktionsmitgliedern. Die Angriffe erreichten ihren vorläufigen Höhepunkt mit der Ermordung des Programmdirektors von Shabelle Media Network Bashur Nur Gedi am
19. Oktober 2007.

Amnesty International forderte Somalias Transitional Federal Government auf, die Schließung der Medien zu beenden, Journalisten nicht weiterhin zu schikanieren und die bisherigen Vorfälle untersuchen zu lassen. Auch müssen die Ergebnisse veröffentlicht und die Verantwortlichen bestraft werden, um so wieder Bedingungen zu schaffen, die eine freie, unabhängige Berichterstattung im Land zu gewährleisten.

(h.m., 18.11.2007)

Quelle: Amnesty International vom 26.10.2007

Journalists suffering worst time since 1991 state collapse (10/2007) - www.amnesty.org

Urgent need for protection of journalists (09/2007) - www.amnesty.org




Einschränkung der Pressefreiheit

Aus den Jahresberichten von Amnesty International


Berichtsjahr 2006

In verschiedenen Teilen des Landes wurden mehr als 20 Journalisten verhaftet, die meisten von ihnen allerdings auf Druck von Medienverbänden rasch wieder freigelassen. Die Nationale Union der somalischen Journalisten (National Union of Somali Journalists – NUSOJ), die sich aktiv für den Schutz der Pressefreiheit einsetzte und die Übergriffe gegen Journalisten im Süden des Landes öffentlich machte, wurde sowohl von der Übergangsregierung als auch vom COSIC offiziell anerkannt. Am Jahresende wurde ein Vorschlag des COSIC diskutiert, rigide Beschränkungen für die Medien zu verhängen.

Im Juni kam in Mogadischu der schwedische Journalist Martin Adler bei einer UIG-Kundgebung zu Tode. Die UIG verurteilte den Mord. Der mutmaßliche Täter wurde zwar festgenommen, aber nicht vor Gericht gestellt.

Im Oktober wurden in Baidoa drei Rundfunkreporter von der Polizei der Übergangsregierung verhaftet, weil sie über die Anwesenheit äthiopischer Soldaten in der Region berichtet hatten. Die drei Journalisten kamen ohne Anklageerhebung nach wenigen Tagen wieder auf freien Fuß.

Anfang Dezember wurde der NUSOJ-Generalsekretär Omar Farouk Osman Nur von COSIC-Milizen festgenommen und in ein geheimes Gefängnis gebracht, aber noch am selben Tag ohne Anklageerhebung wieder freigelassen.

(Amnesty International, Jahresbericht 2007)


Berichtsjahr 2005

In Somalia einschließlich Puntland wie auch in Somaliland wurden mehrere Journalisten bedroht oder in Haft genommen, zwei wurden getötet. Im August kam es auf einer Konferenz über die Freiheiten und Rechte von Journalisten ungeachtet aller Drohungen gegen die Veranstalter zur Gründung einer Journalistengewerkschaft.

Im Februar wurde in Mogadischu die BBC-Journalistin Kate Peyton ermordet. Gleichfalls im Februar kam es zu einem Bombenanschlag auf den Radiosender HornAfrik in Mogadischu, im Juni wurde die für den Sender tätige Journalistin Duniya Muhyadin Nur bei einer Straßensperre von Clan-Milizen getötet.

Im selben Monat wurde im Regionalstaat Puntland der Herausgeber der von den Behörden verbotenen Zeitung Shacab, Abdi Farah Nur, zum dritten Mal im Berichtszeitraum für kurze Zeit inhaftiert.

(Amnesty International, Jahresbericht 2006)


Berichtsjahr 2004

Im Berichtsjahr wurden mindestens 17 Journalisten – zumeist nur für kurze Zeit – inhaftiert, weil sie über Menschenrechtsverstöße berichtet oder Kritik an Clanführern oder politischen Funktionsträgern geübt hatten. Einige von ihnen sollen in der Haft geschlagen worden sein.

Im April wurde in Puntland Abdishakur Yusuf Ali, der Chefredakteur der Zeitung War Ogaal, zum siebten Mal festgenommen und zu sechs Monaten Freiheitsentzug verurteilt, im Juni aber im Berufungsverfahren gegen Zahlung einer Geldstrafe freigelassen.

Im August nahmen die Behörden in Somaliland Hassan Said Yusuf, den Chefredakteur der Zeitung Jamhuuriya, wegen eines Artikels über die Friedensgespräche in Haft. Er gab an, von Polizeibeamten mit dem Tod bedroht worden zu sein. Im Oktober wurde er von der Anklage der Veröffentlichung einer Falschmeldung freigesprochen. Es soll seine 15. Verhaftung wegen derartiger Vorwürfe gewesen sein.

(Amnesty International, Jahresbericht 2005)


Berichtsjahr 2003

Politisch engagierte Menschen und Journalisten, die über Menschenrechtsverstöße berichteten oder Kritik an der politischen Führung äußerten, mussten damit rechnen, ohne gesetzliche Grundlage festgenommen oder – im Süden des Landes – ermordet zu werden. Ein freiheitliches politisches System mit offenen Parteistrukturen gab es nur in Somaliland, wo die Menschen auch von ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch machen, die Regierung öffentlich kritisieren und bei Wahlen kandidieren konnten.

In Mogadischu überfiel im Januar ein Führer einer politischen Gruppierung die Rundfunk- und Fernsehstation Hornafrik, die eine Sendung ausgestrahlt hatte, in der bestimmte Geschäftsleute mit "Terrorismus" in Verbindung gebracht worden waren.

Im Juni verhaftete die Polizei in Mogadischu die beiden Rundfunkjournalisten Abdurahman Mohamed Hudeifi und Hussein Mohamed Gedi, weil sie Kritik an den Behörden geübt hatten. Beide kamen zwei Tage später wieder frei.

In Puntland wurden im März kurz nach einem von Amnesty International im benachbarten Somaliland veranstalteten Workshop für somalische Menschenrechtsverteidiger vier im Menschenrechtsbereich tätige Nichtregierungsorganisationen verboten, die Vertreter zu diesem Workshop entsandt hatten. Nach Verhandlungen mit Vertretern der Regierung durften sie später ihre Aktivitäten wieder aufnehmen.

In Somaliland wurde im Oktober ein Journalist der Zeitung Jamhuuriyya (Republik) wegen Verleumdung zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten verurteilt, die jedoch im Berufungsverfahren in eine Geldstrafe umgewandelt wurde.

(Amnesty International, Jahresbericht 2004)


Berichtsjahr 2002

Unabhängige Journalisten waren in vielen Landesteilen gefährdet. In Somaliland und Puntland wurden private Radiostationen geschlossen, weil in ihren Sendungen Kritik an den Behörden geübt worden war. Im September und Oktober kam es zu Protesten von Journalisten gegen einen Entwurf für ein neues Mediengesetz. Daraufhin wurde das Gesetz vom Präsidenten der Übergangsregierung zur Überarbeitung an das Parlament zurückverwiesen.

Am 27. August wurde in Somaliland der Journalist Abdirahman Ismail Omer wegen drei Artikeln, in denen er Fragen zum Besuch des Präsidenten in Dschibuti aufgeworfen hatte, verhaftet und in einem nächtlichen Schnellverfahren zu drei Monaten Haft verurteilt. Wenige Tage später wurde die Haftstrafe in eine Geldstrafe umgewandelt, so dass er seine Freiheit zurückerhielt.

In Puntland wurde im September der Herausgeber der Zeitschrift Somalpress einen Monat lang ohne Anklage und Gerichtsverfahren inhaftiert.

In Somaliland wurden im September zwölf Personen, mehrheitlich Äthiopier, für kurze Zeit in Haft genommen und gleichfalls ohne Anklageerhebung wieder freigelassen.

(Amnesty International, Jahresbericht 2003)


Berichtsjahr 2001

Immer wieder wurden vor allem Journalisten festgenommen und tage- oder wochenlang ohne Anklageerhebung in Haft gehalten. Viele davon waren als gewaltlose politische Gefangene zu betrachten.

(Amnesty International, Jahresbericht 2002)


Berichtsjahr 2000

In Mogadischu sahen sich Journalisten immer wieder gewalttätigen Übergriffen durch Clan-Milizen ausgesetzt. In Puntland führte ein neues Pressegesetz zu einer Einschränkung der Pressefreiheit.

Im März wurde in Mogadischu Mohamed Ali Salad, Mitarbeiter der Zeitung Qaran, von bewaffneten Männern entführt und mit Schlägen misshandelt, weil er in einem Artikel Geschäftsleuten vorgeworfen hatte, Umweltschäden zu verursachen.

In Bossaso in Puntland wurde im Juli Mohamed Abdulkadir Ahmed, der für die Zeitung Sahan tätig war, festgenommen, weil er Kritik am offiziellen Boykott der Friedenskonferenz geäußert hatte.

(Amnesty International, Jahresbericht 2001)

Somalia: Jahresbericht 2007 (05/2007) - www.amnesty.de

Somalia: Jahresbericht 2006 (05/2006) - www.amnesty.de




Weitere Informationen


Unter Feuer: Journalismus in Somalia ... (02/2010) - www.journalistenhelfen.org

Entführte ausländische Journalisten wieder frei (11/2009) - www.reporter-ohne-grenzen.de

Entführer lassen Leiter von "Universal TV" frei (06/2009) - www.reporter-ohne-grenzen.de

Radioreporter stirbt an Schussverletzungen (05/2009) - www.reporter-ohne-grenzen.de

Journalist bei Kämpfen zwischen Regierung ... getötet (05/2009) - www.reporter-ohne-grenzen.de

Journalist zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt (03/2009) - www.reporter-ohne-grenzen.de

Chef eines Rundfunksenders in Mogadischu ermordet (02/2009) - www.reporter-ohne-grenzen.de

Journalists killed for telling the truth (03/2008) - www.amnesty.org

Journalists face deliberate and systematic attack (03/2008) - www.amnesty.org

Französischer Journalist entführt (12/2007) - www.reporter-ohne-grenzen.de

Somalia am Abgrund (11/2007) - www.dw-world.de

Chaos und Gewalt in Somalia (11/2007) - www.dw-world.de

Zwei Radio-Journalisten getötet (08/2007) - www.reporter-ohne-grenzen.de

Ayaan Hirsi Ali: Grund zur Hoffnung (11-12/2006) - www.emma.de

Radio für den Frieden: Zwei Somalis riskieren für Meinungsfreiheit ... (10/2006) - www.dradio.de

Heilige Krieger und Milizen (10/2006) - www.amnesty.de

Ayaan Hirsi Ali: Ich klage an (07-08/2005) - www.emma.de

Journalist Duniya Muhiyadin Nur (06/2005) - portal.unesco.org

Nuruddin Farah: Somalia - eine Zuflucht für islamistische Terroristen? (02/2002) - www.zeit.de

Website von National Union of Somali Journalists (NUSOJ) - www.nusoj.org



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