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Internationaler Tag für Menschenrechte |
Meinungsfreiheit zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Filmvorführung und Podiumsgespäch am Tag der Menschenrechte in der Mainzer Universität
Die AI-Kooperationsgruppe "AutorInnen und JournalistInnen – Für Meinungsfreiheit" und die AI-Hochschulgruppe
Mainz luden zusammen mit dem Deutschen Journalistenverband (DJV) Rheinland-Pfalz und dem Presseclub Mainz am 10. Dezember
in den Hörsaal 13 des Forums der Johannes-Gutenberg Universität in Mainz.
Gezeigt wurde der Dokumentarfilm "Gefesselte Worte" von Benedict Banet und Sylvie Banuls. Der Film handelt von verfolgten und
ehemals inhaftierten Journalisten im Exil, die aus unterschiedlichsten Ländern kommend im "Maison des Journalists" in Paris
vorübergehend Zuflucht gefunden haben. Eindrucksvoll werden Schicksale und Exilsituation der Flüchtlinge wie auch
ihre erheblichen Sorgen um die Zukunft geschildert.
Der Vorführung dieser WDR/arte-Koproduktion schloss sich ein Podiumsgespräch zum Thema "Meinungsfreiheit zwischen Anspruch und Wirklichkeit" an, an dem
neben Journalisten und Mitarbeitern verschiedener, mit der Thematik befasster Organisationen auch die Regisseurin des Films,
Frau Banuls, teilnahm. Die Besucher der Veranstaltung, ein vorwiegend junges Publikum, nahm aufmerksam Anteil und trug
ebenfalls zur Diskussion bei.
(zi, 15.12.2007)
Begrüßungsrede von Josef Zimmernmann
zur Veranstaltung am 10. Dezember 2007 in der Universität Mainz
"Gefesselte Worte"
- Meinungsfreiheit zwischen Anspruch und Wirklichkeit -
Sehr geehrte Anwesende,
meine Damen und Herren,
liebe Freunde,
im Namen von Amnesty International heiße ich Sie zu unserer Veranstaltung am Internationalen Tag
der Menschenrechte 2007 willkommen.
Wir freuen uns, dass wir den Deutschen Journalistenverband (DJV) Rheinland-Pfalz sowie den
Presseclub Mainz als Mitveranstalter gewinnen konnten. Sie bekunden damit ihre Kollegialität
mit den bedrohten und verfolgten Journalisten in zahlreichen Ländern weltweit, von denen an
diesem Abend die Rede ist. – Wir hoffen, diese Zusammenarbeit auch fortführen zu können.
Besonders erfreut sind wir, die Regisseurin und Mitautorin des Films "Gefesselte Worte",
Sylvie Banuls, begrüßen zu können, die an dem anschließenden Podiumsgespräch teilnimmt.
Weiter begrüße ich die Podiumsteilnehmer Catrin Czyganowski von der Konrad-Adenauer-Stiftung, Berlin,
Christine Seehaus, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Publizistik der Universität Mainz,
Uli Remmel vom Deutschen Journalistenverband und der Internationalen Journalisten-Förderation IJF und
Jonas Wolff von der Hessischen Stiftung für Konflikts- und Friedensforschung.
Holger Ehling, Journalist, Medienexperte, vormaliger Sprecher der Frankfurter Buchmesse, moderiert das Gespräch.
Allen Teilnehmern gilt der Dank der Veranstalter. – Unser Dank geht nicht zuletzt auch an unser fleißiges
Organisationsteam und alle Helfer bei der Vorbereitung des Abends. Extra-Dank an Dr. Blank,
von dem wir zuerst auf den Film aufmerksam gemacht wurden und der den Kontakt zu Frau Banuls
herstellte.
Meine Damen und Herren, wir sind uns im "freien Westen" dessen bewusst und wohl alle einig,
dass das Recht auf Meinungsfreiheit, vor allem die daraus sich herleitende Presse- und
Medienfreiheit, ein überaus kostbares Gut ist - eine unabdingbare Voraussetzung für Demokratie
und Rechtsstaatlichkeit – wie vielfache Erfahrung lehrt.
Wie steht es aber nun realiter um die Pressefreiheit, um die Informationsfreiheit weltweit?
Wir lesen alarmierende Schlagzeilen: "Die Unterdrückung der freien Meinungsäußerung, der
Presse- und Medienfreiheit hat weltweit zugenommen." (Amnesty International)
"Die Lage der Pressefreiheit ist weltweit alarmierend." (Reporter ohne Grenzen in ihrem
letzten Jahresbericht)
Oder in der Information über "Gefesselte Worte", die in unserer Einladung abgedruckt ist:
"Der Pressefreiheit geht es schlecht. Weltweit wird sie ignoriert, unterdrückt, mit Füßen
getreten."
In mindestens 30 Ländern lassen, wie es in dem Pressebericht von Reporter ohne Grenzen zum
heutigen Tag heißt, die Regierungen "unbequeme Journalisten wegsperren". Meist werden sie aus
Gründen der "nationalen Sicherheit" festgenommen, heißt es weiter. Über 20 Prozent seien zu
Haftstrafen zwischen fünf und zehn Jahren verurteilt. Auch zahlreiche Dissidenten befinden
sich mittlerweile hinter Gittern.
In China und Kuba werden, laut Reporter ohne Grenzen, seit vier Jahren die meisten Journalisten
gefangen gehalten. Weitere Zahlen und Details werde ich jetzt nicht anführen, die
Journalistenkollegen und anderen Interessierten können das online bei Reporter ohne Grenzen
nachlesen.
Solche Angaben sind recht abstrakt, nicht aussagekräftig genug, gegenüber der Kenntnis von
Einzelschicksalen, wie sie der Film zeigt; wie Sie sie unter anderem auch immer wieder in den
aktuellen Eilaktionen (urgent actions) unserer Organisation finden können, etwa unter der
entsprechenden Rubrik auf unserer Homepage: www.amnesty-meinungsfreiheit.de
Fast täglich erhält Amnesty International Nachrichten über mit Mord bedrohte, tätlich
angegriffene, willkürlich festgenommene oder verschleppte, von Folter bedrohte Journalisten
und Medienmitarbeitern. Zunehmende heimtückische Morde sind die ultimative Methode, unliebsame,
sich öffentlich äußernde Kritiker von Regierungen und Behörden, mutige, Missstände und Korruption
anprangernden Journalisten, mundtot zu machen.
Nicht nur im Irak hat die Zahl getöteter Journalisten und Medienleuten zugenommen.
Die internationale Öffentlichkeit ist seit über einem Jahr auf den Fall der Anna Politkowskaja
fixiert. Seit 2000 und dem Amtsantritt Präsident Putins waren aber in Russland
20 Journalistenmorde zu verzeichnen. - Es ist bekannt, dass Journalisten in Kolumbien schnell
zwischen die Fronten des Militärs, paramilitärischer Gruppierungen und Drogenbanden geraten können,
was manche dann mit dem Leben bezahlen. Aber auch in Mexiko war die Zahl getöteter Journalisten
hoch, zeitweise höher als in Kolumbien.
Amnesty International setzt sich nicht nur für Einzelfälle ein. Sie wendet sich generell gegen
repressive Gesetze und Praktiken, die das Recht der freien Meinungsäußerung und der
Publikationsfreiheit beschneiden oder in Frage stellen und sucht entsprechenden Druck auf
Regierungen und Behörden auszuüben.
Die AI-Themengruppe Autoren/Autorinnen und Journalisten/Journalistinnen – Für Meinungsfreiheit
wendet sich mit Briefen, Petitionen, mit nachdrücklichen Forderungen an die betreffenden
Regierungen und Behörden und setzt sich mittels der Herstellung von Öffentlichkeit für ihre
Zielgruppen und ihre Anliegen ein.
Amnesty International kann bei jeder dritten Eilaktion einen Erfolg verbuchen – nicht in jedem Fall die Freilassung,
auch eventuelle Bewahrung vor Folter und Misshandlung, oder Hafterleichterungen, Besuch von
Anwälten und Angehörigen, Wiederaufnahme eines Verfahrens, das nicht nach internationalen
Standards geführt worden war (sogenannte "unfaire Verfahren"), bisher verweigerte medizinische
Versorgung etc.
Immerhin registrierten wir aus unseren Zielgruppen seit 2000 42 Freilassungen. Natürlich ist das
nicht immer unser alleiniges Verdienst. Doch besonders bewegend sind für uns die Äußerungen von
Dankbarkeit und ausdrücklicher Anerkennung unserer Arbeit seitens freigekommener Gefangener,
die Amnesty International immer wieder erreichen.
Nicht ganz frei von Besorgnis, wenn auch weit entfernt von der Lage in repressiven und autoritär
regierten Staaten, lassen uns Tendenzen in den freien Ländern des Westens. Wenn auch alle Staaten
der Europäischen Union auf den ersten 50 Plätzen der ROG-Rangliste zu finden sind, so belegt
die Bundesrepublik doch immerhin erst Rang 20. Gerade konnte man im stern und sogar in der
Washington Post von einem einschlägigen Vorfall lesen.
Wachsamkeit ist, was die Pressefreiheit angeht, auf jeden Fall und überall geboten. Das ist
unsere gemeinsame Aufgabe; sie schließt, neben der Presse und den Medien selbst, auch die
einschlägigen Verbände und Interessenvertretungen ein.
Vor allem aber haben die Kollegen, die, wie es auch der Film "Gefesselte Worte" besonders
anschaulich macht, unter Verhältnissen arbeiten, mit denen die unstreitig vorhandenen
Sorgen und Probleme von Journalisten in den freien Ländern doch in keinem vergleichbarem
Verhältnis stehen, unsere Hilfe und Unterstützung bitter nötig. Deshalb werden wir nicht müde,
zu verstärktem Engagement aufzurufen.
Dem galt auch der eindringliche Appell der deutschen Generalsekretärin von Amnesty International,
Barbara Lochbihler, am Schluss ihrer Rede zur Eröffnung eines Kongresses des Netzwerks Recherche
in Hamburg am 15. Juni dieses Jahres an die Adresse der Medien, Fernsehen, Rundfunk und Presse,
mehr Aufmerksamkeit für die Sache der Menschenrechte und damit auch für das von uns vertretene
Grundrecht aufzubringen.
Josef Zimmermann, Sprecher der AI-Sekogruppe
AutorInnen und JournalistInnen – Für Meinungsfreiheit
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Peter Heller Filmproduktion: Gefesselte Worte -
www.filmkraft.net
Filmrezension: Gefesselte Worte (10/2007) -
mmm.verdi.de
Einladung
"Gefesselte Worte"
Meinungsfreiheit zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Ein Film- und Diskussionsabend
- Eine Veranstaltung zum Internationalen Tag
der Menschenrechte
- Am Montag, den 10. Dezember 2007, um 19.00 Uhr,
- Im Forum, Hörsaal 13,
Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, Johann-Joachim-Becker-Weg 4
- Veranstalter:
Amnesty International, Deutscher Journalistenverband (DJV), Presseclub Mainz
Die AI-SektionsThemengruppe "AutorInnen und JournalistInnen - Für Meinungsfreiheit",
die AI-Hochschulgruppe Mainz sowie die beiden Mitveranstalter laden zu einem Film- und Diskussionsabend ein.
Im Anschluss an die knapp einstündige Filmvorführung der arte/WDR-Koproduktion
"Gefesselte Worte" diskutieren im Rahmen eines Podiumgespräches
- Sylvie Banuls, Autorin und Regisseurin des Films
- Uli Remmel, Journalist, Deutscher Journalistenverband (DJV), Internat. Journalisten-Förderation (IJF)
- Catrin Czyganowski, Konrad-Adenauer-Stiftung, Berlin
- Jonas Wolff, Hessische Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung
- Christine Seehaus, wissenschaftliche Mitarbeiterin, Institut für Publizistik, Universität Mainz
- Moderation: Holger Ehling, Journalist.
Ausgehend von den im Film aufgezeigten Schicksalen und Problemen verfolgter und exilierter Journalisten und den
dort aufgeworfenen Fragen soll das Podiumsgespräch einen Beitrag liefern zu einem breiteren und vertieften
Verständnis der Thematik.
Die Teilnehmer werden diese von verschiedenen Seiten her beleuchten. Dabei soll es
nicht allein um Behinderung oder Unterdrückung der Pressefreiheit in Ländern mit unterschiedlichen politischen
Systemen wie auch vor dem Hintergrund bestimmter
politischer und wirtschaftlicher Interessen gehen.
In Erweiterung der Perspektive ergeben sich umgekehrt Fragen nach generellen
Chancen der Durchsetzbarkeit von Menschenrechtsstandards, hier insbesondere
natürlich im Hinblick auf die Presse- und Publikationsfreiheit, die sich aus Artikel 19
der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und Artikel 10 der Europäischen
Menschenrechtskonvention herleitet.
Zu dieser Veranstaltung über ein für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit unverzichtbares Grund- und Menschenrecht
heißen wir Sie sehr gerne willkommen.
Mit freundlichen Grüßen
im Namen aller Veranstalter
Josef Zimmermann, Kristoff M. Ritlewski,
Amnesty International, Sektion der Bundesrepublik Deutschland,
Sektionskogruppe AutorInnen und JournalistInnen - Für Meinungsfreiheit
www.amnesty-meinungsfreiheit.de
(17.11.2007)
Kurzinformation zur Veranstaltung (12/2007) -
Flyer (pdf)
Olympische Idee und Menschenrechte
ROG demonstriert in Hongkong
Am 10. Dezember 2007, dem Internationalen Tag der Menschenrechte, hat Reporter ohne Grenzen (ROG) vor der chinesischen
Vertretung in Hongkong demonstriert, um erneut auf die prekäre Lage der Menschenrechte und der Pressefreiheit in China
aufmerksam zu machen.
Wie bereits am 15. Oktober vor dem Gebäude des Olympischen Komitees in Lausanne wurde eine riesige Flagge entrollt,
in der die olympischen Ringe als Handschellen dargestellt sind. Symbolisch fordert ROG damit China zum wiederholten
Male auf, die Lage der Menschenrechte und das Recht auf freie Meinungsäußerung zu verbessern, wie es beim Zuschlag
der Olympischen Spiele für 2008 versprochen hatte.
"Wenige Monate vor Beginn der Olympischen Spiele in Peking missachtet die chinesische Regierung weiterhin grundlegende
Menschenrechte wie das Recht auf freie Meinungsäußerung", so ROG. Die rund 100 inhaftierten Journalisten und
Internetdissidenten müssen entlassen, Zensur beendet und freier Informationszugang gewährleistet werden."
Die Protestaktion war nach Hongkong verlegt worden, da Reporter ohne Grenzen die Einreiseerlaubnis für das chinesische
Festland verweigert worden war. Auch das wertet ROG als Einschränkung der Medienfreiheit und einer offenen kritischen
Berichterstattung. Chinas Zusage, ausländischen Journalisten freie Berichterstattung rund um die olympischen Spiele zu
gewähren, bleibt bis auf weiteres unglaubwürdig. Noch liegt das Land auf Rang 163 (von 169) der ROG-Rangliste.
Es ist an der Zeit, dass das Deutsche sowie das Internationale Olympische Komitee, Chinas Versprechen nicht nur glauben,
sondern deutlich einfordern und unmittelbare Konsequenzen ziehen. Die olympische Idee des friedlichen und brüderlichen
Miteinanders der Völker darf nicht auf dem Papier stehen bleiben, sondern muss auch und gerade für die Menschen des
eigenen Landes gelten.
(h.m., 15.12.2007)
Quelle: Reporter ohne Grenzen vom 10.12.2007
ROG: Weltweit 130 Journalisten hinter Gittern (12/2007) -
www.reporter-ohne-grenzen.de
Weitere Informationen
Kampagne der UNO: Würde und Gerechtigkeit für uns alle (12/2007) -
ww.dw-world.de
Bundesminister Steinmeier zum Tag der Menschenrechte (12/2007) -
www.auswaertiges-amt.de
Posthume Auszeichnung für Hrant Dink am Tag der Menschenrechte (12/2007) -
www.ots.at
Tag der Menschenrechte - Hilfe bei Menschenrechtsverletzungen (12/2007) -
www.dw-world.de
Das 2007 der Menschenrechte (12/2007) -
www.dw-world.de
ASEAN-Staaten unterzeichnen Charta für Menschenrechte (11/2007) -
www.dw-world.de
Bundesregierung 2007 in der Pflicht (12/2006) -
www.germanwatch.org
Internationaler Tag der Menschenrechte (12/2006) -
www.amnesty.de
Verfolgte Schriftsteller: Die Unterdrückung des Wortes (12/2003) -
www.amnesty.de
Weitere Berichte unter -
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