Kontakt Impressum
  Home

  Nachrichten

  Kurzmeldungen

  Termine


  Appellfälle

  Eilaktionen

  Erfolge


  Bücher
  und Autoren


  Buchtipps

  Neu-
  erscheinungen


  Wir über uns

  Unsere Arbeit

  Mitmachen

  Spenden


  Amnesty
  International


  Berichte
  und Aktionen


  Weitere Links


Länderberichte, © Amnesty International Länderberichte
Türkei


Amnesty Journal, Amnesty International Journal 03/2007:
Tod eines
Kritikers


Orhan Pamuk, Foto: AP/Empics/Amnesty International Mehr über
Orhan Pamuk



 
Koordinationsgruppe 2907, Amnesty International
 


Türkei - Mordfall Hrant Dink

Nationalflagge Republik Türkei


Hauptangeklagter Ogün Samast

Prozess gegen die Mörder von
Hrant Dink eröffnet

Insgesamt 18 Angeklagte vor Gericht

Unter massiven Sicherheitsvorkehrungen hat am 2. Juli 2007 in Istanbul der Prozess gegen die Mörder des türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink begonnen.

Neben dem mutmaßlichen 17-jährigen Hauptverdächtigen Ogün Samast, der Dink am 19. Januar 2007 auf offener Straße erschossen haben soll, stehen 17 weitere Angeklagte vor Gericht. Der Prozess findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, da mehrere Angeklagte noch nicht volljährig sind.

Die Staatsanwaltschaft fordert für Ogün Samast 18 bis 24 Jahre Haft. Dagegen sollen die beiden mutmaßlichen Hintermänner Yasin Hayal und Erhan Tuncel laut Anklage lebenslang hinter Gitter. Ihnen wird Anstiftung zum Mord und Führerschaft einer Terrorgruppe vorgeworfen. Den übrigen Angeklagten drohen Haftstrafen von bis zu 35 Jahren.

Für die beiden Staatsanwälte ist der Mord an den armenischen Zeitungsherausgeber Hrant Dink ein politisches Verbrechen, der von Ultranationalisten ausgeübt wurde, um das Land auf eigene Faust von "Verrätern" zu befreien. Eingang in die Anklageschrift fanden auch Morddrohungen an Orhan Pamuk, dem Literaturnobelpreisträger und guten Freund Hrant Dinks.

Der Prozessauftakt wurde von Demonstrationen im Istanbuler Stadtteil Besiktas begleitet. Kritiker des Verfahrens äußerten, der rechtsextremistische Hintergrund des Attentats sei unzureichend aufgeklärt. Die Polizei habe Spuren zu mutmaßlichen Hintermännern bei den Ultranationalisten vertuscht.

(rg, 08.07.2007)

Quellen: n-tv.de, faz.net und welt.de vom 02. und 03.07.2007

Prozess im Fall Hrant Dink: Aufruf zur Gewalt als Meinungsfreiheit (11/2007) - de.qantara.de

Gespräch mit Aris Nalci, Nachrichtenchef von "Agos" (08/2007) - www.amnesty.de

Hrant Dinks Mörder vor Gericht (07/2007) - www.faz.net

Prozessauftakt: Armenier in Angst (07/2007) - www.dradio.de

Prozess: Geheimdienst in Mord an Hrant Dink verwickelt? (07/2007) - www.welt.de

ROG fordert weitere Ermittlungen (07/2007) - www.reporter-ohne-grenzen.de




Hauptangeklagter Ogün Samast

Appell zu Prozessbeginn

Prozess gegen Hrant Dink-Mörder wird am 2. Juli 2007
in Istanbul eröffnet


Dear friends,

"Hrant Dink Murder" case will start at Besiktas Criminal Court (former State Security Court) on June 2, 2007, at 09:30 am. We invite everybody to be there, not to allow the truth once again be covered-up. Please join us by observing the case or sending a representative and declaring statements.

Please see the appeal below and divert to others:

WE ARE WITNESSES OF THIS CASE.
WE ARE ALSO VICTIMS OF IT.
AND WE FOLLOW UP
WE'LL BE THERE DEMANDING JUSTICE.


The darkness who killed Hrant Dink will begin to be tried on June 2, 2007. To prevent the murderers escape and disappear, we will always be there, in front of the Court House, until the end of the trial. We were only a handful of people when Hrant was tried and we paid it by losing our dear friend.

Now we all will wear black and standing beside his widow Rakel Dink and children Sera, Arat and Delal. We will raise our silent cry, just as in the funeral. We invite all who reject darkness, who seek justice, to be there at the Court House on

Monday, 2. June, 2007, 09:30 AM,
ISTANBUL HIGH CRIMINAL COURT, BESIKTAS,
(Former State Security Court DGM)


Appell von Sanar Yurdatapan

Offener Brief von Sanar Yurdatapan aus Istanbul (22.06.2007)


Sanar Yurdatapan setzt sich für Meinungsfreiheit ein (07/2007) - www.amnesty.de




Haftstrafe für Arat Dink auf Bewährung

Arat Dink, Sohn des ermordeten Hrant Dink und ebenfalls Journalist, ist Mitte Oktober wegen "Beleidigung des Türkentums" zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt worden. Die Entscheidung des Istanbuler Gerichts stieß international auf Kritik, zumal der türkische Präsident Abdullah Gül kurz zuvor in Aussicht gestellt hatte, der umstrittene "Türkentum-Paragraf" werde überarbeitet.

Hintergrund der Anklage gegen Arat Dink war ein Interview, das er in der Zeitung "Agos" veröffentlicht hatte. Arat Dink führt die türkisch-armenische Zeitung seines Vaters als Herausgeber weiter. In dem nachgedruckten Interview, das Hrant Dink 2006 der Nachrichtenagentur Reuters gegeben hatte, war vom »Völkermord an den Armeniern« die Rede. Die türkischen Behörden hatten Hrant Dink wegen dieser Formulierung strafrechtlich verfolgt. Im vergangenen Januar war Dink vor dem "Agos"-Verlagshaus in Istanbul von einem 16-Jährigen erschossen worden.

(Amnesty Journal 11/2007)

Verurteilung von Arat Dink und Sarkis Seropyan (10/2007) - de.qantara.de




Nun auch Sohn von Hrant Dink angeklagt

Anklagen, die auf umstrittenen Strafrechtsparagrafen 301 beruhen,
reißen nicht ab

Laut einer Pressemeldung von Reporter ohne Grenzen wurde am 14. Juni 2007 in Istanbul gegen Arat Dink, neuer Herausgeber der armenisch-türkischen Zeitung "Agos" und Sohn des im Januar ermordeten Zeitungsherausgebers Hrant Dink, sowie gegen drei weitere Agos-Mitarbeiter Anklage wegen "Beleidigung des Türkentums" (Artikel 301) erhoben.

Anlass sei die erneute Veröffentlichung eines vom Juli 2006 stammenden Reuters-Interviews mit Hrant Dink, in dem dieser die Massaker an den Armeniern im Ersten Weltkrieg als Völkermord bezeichnet und dafür bereits eine Haftstrafe verbüßt hatte.

Angeklagt werden zusammen mit Arat Dink die Journalisten Serkis Seropyan, Aydin Engin und Karin Karakashli sowie Erdal Dogal, Anwalt der Familie Dink.

Das Gerichtsverfahren gegen 18 Angeklagte im Mordfall Hrant Dink soll am 2. Juli 2007 in Istanbul eröffnet werden (siehe unten).

(rg, 19.06.2007)

Quelle: Reporter ohne Grenzen vom 15.06.2007

Sohn von Hrant Dink angeklagt (06/2007) - www.reporter-ohne-grenzen.de





Hrant Dink, Foto: © privat/Amnesty International

Zeitungsherausgeber Hrant Dink



Türkisch-armenischer Journalist
Hrant Dink ermordet

Istanbuler Provinzgouverneur sagt
rasche Aufklärung voraus

Auf offener Straße wurde am 19. Januar 2006 der in der Türkei und international bekannte Journalist Hrant Dink erschossen.
Die Polizei nahm vorerst acht Verdächtige fest. Der Istanbuler Gouverneur Muammer Güler erklärte schon unmittelbar nach den ersten Verhaftungen, es gäbe genügend Hinweise und die Aufklärung des Mordes stehe "unmittelbar bevor".

Der türkischen Polizei wird vorgeworfen, den Journalisten, der schon länger unter akuter Bedrohung stand, nicht geschützt zu haben. Hrant Dink war in der Türkei umstritten, weil er die offizielle Anerkennung des Völkermords an den Armeniern zu Anfang des 20. Jahrhunderts durch die Türkei forderte und sich nachhaltig für die Anerkennung der Rechte der heutigen armenischen Minderheit in der Türkei einsetzte.

"In der Türkei gibt es genug Verrückte mit der Pistole in der Hand", kommentierte der deutsche Grünen-Politiker Cem Özdemir den Mord. Dazu gebe es auch genug Hintermänner in Justiz und Verwaltung.

Hrant Dink, Herausgeber der armenischen Wochenzeitung Agos, war u.a. im Mai 2006 mit dem Henry-Nannen-Preis des stern für besonders verdienstvollen und mutigen Journalismus ausgezeichnet worden.

Eigener Bericht (j.z., 20.01.2007)



Brief an den türkischen Botschafter in Berlin

Unsere Koordinationsgruppe der deutschen Sektion von Amnesty International für "Verfolgte AutorInnen und JournalistInnen / Für Meinungsfreiheit" hat das folgende Schreiben an den türkischen Botschafter in Berlin gerichtet:

Unsere Sektionskogruppe (01/2007) - Appellbrief an türkischen Botschafter in Berlin (pdf)

Entsprechende Schreiben gingen auch an den türkischen Justizminister und den türkischen Außenminister, der gleichzeitig Stellvertretender Ministerpräsident und als Staatsminister Beauftragter für Menschenrechtsangelegenheiten ist.


Öffentlicher Protest gegen die Ermordung von Hrant Dink

Unsere Sektionskogruppe (02/2007) - Aktion Einsatz für Journalisten - Im Gedenken an Hrant Dink




Amnesty Journal März 2007

Tod eines Kritikers

Die Lage der Menschenrechte in der Türkei

Zuerst fiel das Urteil, dann trafen ihn die Schüsse. Der türkisch-armenische Journalist Hrant Dink wollte Frieden und Versöhnung - und bezahlte dafür mit seinem Leben. Denn auch in Justiz und Militär gibt es viele, denen das Wohl des türkischen Staates über alles geht. Und wer sich daran nicht hält, wird rigoros bekämpft.

(Amnesty Journal März 2007)

Die Türkei und die Menschenrechte: Zum Wohle des Staates - www.amnesty.de

Der Journalist und Autor Dink Hrant: Ein Leben als Zielscheibe (Porträt) - www.amnesty.de

Interview mit dem Journalisten Ömer Laçiner: Sie wollten ihn nicht schützen - www.amnesty.de

Hrant Dink und sein Traum von einer multikulturellen Türkei - www.amnesty.de




Ermordung Dinks verschlimmert die
politische Spaltung in der Türkei

Skandalfoto mit Attentäter Ögun Samast

Mehrere türkische Medien veröffentlichten ein Foto, das den Mörder mit einer türkischen Fahne an der Seite von Polizisten zeigt, und drückten ihre Empörung darüber aus. Die Zeitung Sabah kommentierte, ein nationalistischer Mörder werde wie ein Held behandelt. Die Militärpolizei widersprach dem Bericht, wonach das Foto unmittelbar nach der Festnahme Samasts in einem Polizeirevier gemacht worden sei.

Der Direktor der in Essen ansässigen Stiftung Zentrum für Türkeistudien, Faruk Sem, befürchtet, dass "die neue nationalistische Welle in der Türkei eine terroristische Qualität anzunehmen droht". Der nationalistische Terror scheine sein Ziel zu erreichen, Angst zu verbreiten. Die allgemeine Verunsicherung sei groß.

(j.z., 02.02.2007)

Rechtsruck in der Türkei? Blutige Botschaft gegen Hrant-Dink-Bewegung (04/2007) - igfm.de

Mehr Schutz für bedrohte Journalisten (02/2007) - www.reporter-ohne-grenzen.de

Des Lebens nicht sicher - Gefahren für türkische Journalisten (02/2007) - www.dradio.de




Nobelpreisträger Orhan Pamuk zum Tod von Hrant Dink

Entschiedene und mutige Stellungnahme

Auf die Erklärung des Istanbuler Polizeipräsidenten Celalettin Cerrah, der mutmaßliche Mörder habe sich von "nationalistischen Gefühlen" leiten lassen, es gäbe keine Hinweise, dass er in Verbindung zu irgendeiner Organisation gestanden habe, reagierte der türkische Schriftsteller Orhan Pamuk mit einer ebenso entschiedenen wie mutigen Stellungnahme.

Der Äußerung des Polizeichefs, das Verbrechen weise "keinerlei politische Dimension" auf, hielt er schwere Vorwürfe gegen die türkische Justiz und Regierung entgegen. Die Hauptverantwortung für den Mord trügen diejenigen, die den umstrittenen "Türkentum"-Paragrafen 301 verteidigten und daran festhielten. Dink sei unter dieser Voraussetzung als "Feind der Türken" gebrandmarkt und "zur Zielscheibe gemacht" worden, so Pamuk.

Eigener Bericht nach dpa (j.z., 23.01.2007)

Pamuk sieht Mentalität des Lynchens (01/2007) - www.tagesspiegel.de

Mehr über den Literatur-Nobelpreisträger 2006 - Orhan Pamuk



Interview 2005

Hrant Dink: "I cannot say I am a Turk, I am an Armenian"

Hrant Dink, editor-in-chief of Agos, the Armenian-Turkish bilingual weekly in Istanbul, tells that since a couple of years they can publish about Armenia and the genocide without getting into problems. Although at this very moment there is a trial against Argos because of an article about Armenian nationalism. Genocide may be mentioned, but recognition by the Turkish state is yet unthinkable.

Dink blames extreme conservatives and officials of state and army. "They are the ones that don't want to join the European Union. They are afraid of the following dialogue and loosing their power and positions. In a strange and conflicting way they try to influence the feelings in Europe by for example processes against writers and publishers."

Dink says democratic Turks are supporters of joining the European Union. He is hoping the Europeans will understand. The Armenian minority in Turkey, around sixty till eighty thousand people (the exact amount is unknown), lives under 'normal circumstances'. Their identity is still denied and the tragic history of 1915 is not official legalized. They are not allowed to call themselves Armenians.



Dear friends,

In May 2005 ago I did have a short interview with Hrant Dink
at the Agos-office that I want to share with you.

With great respect,

Ronald Bos, Amsterdamer Literaturfonds (20.01.2007)




Hrant Dink, Foto: © Türkische Initiative Freedom of Expression

Erklärung

Hrant Dink murdered

Journalist Hrant Dink, chief editor of Armenian journal AGOS was killed in front of his office with 3 bullets shot at his head on January 19. The murderer or murderers were able to escape after the assassination.

WILL HRANT DINK MURDER BE CLARIFIED?

WHERE SHALL WE SEARCH FOR THE KILLERS?

Türkische Initiative "Freedom of Expression" (19.01.2007)




Weitere Informationen


Hrant Dink Forum Köln: Hrant Dink in Memoriam - www.hrantdinkforum.de

Hrant Dink Forum Köln (01/2010) - www.das-kulturforum.de

Recay Halac: Ein Schock, der die Herzen der Türken geöffnet hat (10/2008) - www.dradio.de

Video Gedenken an Hrant Dink (19.01.2008) - www.tagesschau.de

Audio Kommentar: Die türkische Regierung hat ... nichts gelernt (20.01.2008) - www.tagesschau.de

Erster Jahrestag der Ermordung von Hrant Dink (01/2008) - www.amnesty.de

Gespräch mit Fethiye Çetin, Anwältin der Familie Dink (01/2008) - www.amnesty.de

Türkische Tabus (12/2007) - www.amnesty.de

Ein Damm ist gebrochen - Türkische Öffentlichkeit geht schonungslos ... (02/2007) - www.zeit.de

Turkish-Armenian journalist murdered (01/2007) - www.amnesty.org

Mord an Hrant Dink - "Es war eine Hinrichtung" (01/2007) - www.stern.de

ROG fordert weitere Ermittlungen (01/2007) - www.reporter-ohne-grenzen.de




Besondere Ehrungen


Posthume Auszeichnung für Hrant Dink am Tag der Menschenrechte (12/2007) - www.ots.at

IPI Board names Hrant Dink posthumously one of its World Press ... (12/2007) - www.freemedia.at

Armenisch-türkische Wochenzeitung "Agos" (11/2007) - Hermann-Kesten-Medaille 2007

Hrant Dinks Zeitung vom PEN-Club ausgezeichnet (11/2007) - www.dradio.de

"Er gibt seinem Volk eine Stimme" (05/2006) - Henri-Nannen-Preis 2006 für Hrant Dink




Artikel von/mit Hrant Dink in deutscher Übersetzung



© www.amnesty-meinungsfreiheit.de