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UN-Vollversammlung: Generalversammlung gründet den neuen UN-Menschenrechtsrat in New York, 15.03.2006
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UNO gründet Menschenrechtsrat
Schlappe für USA - Gremium ersetzt Menschenrechtskommission in Genf
Gegen den Willen der USA haben die Vereinten Nationen am Mittwoch, den 15. März 2006, die Gründung eines Menschenrechtsrats beschlossen.
Die UNO-Vollversammlung nahm die Resolution ihres Präsidenten Jan Eliasson mit überwältigender Mehrheit an.
170 Länder stimmten für das neue UNO-Gremium, das die seit langem umstrittene Menschenrechtskommission in Genf
ersetzen soll.
Mit Nein votierten neben den USA Israel, die Marschall-Inseln und der Inselstaat Palau. Washington lehnt das
Konzept für den Menschenrechtsrat, das der Präsident der UNO-Vollversammlung nach Monate langen Gesprächen mit
allen Mitgliedstaaten erstellt hatte, als zu schwach ab.
Die Genfer Menschenrechtskommission war in Verruf geraten, weil darin auch Staaten vertreten waren, die selbst
wegen schwerer Verstöße in der Kritik stehen. Außerdem brauchte das Gremium oft Jahre, um Fälle von
Menschenrechtsvergehen zu verurteilen.
Neuer Rat soll immer arbeiten
Anders als die Menschenrechtskommission soll der neue Rat mit Sitz in Genf rund ums Jahr arbeiten und drei Mal
jährlich zu mehrwöchigen Sitzungen zusammenkommen. Der neue Rat soll nur noch 47 Mitglieder umfassen und durch
geheime Wahl von den 191 Mitgliedern der UNO-Vollversammlung mit absoluter Mehrheit bestimmt werden. Washington
hat sich hingegen für einen kleineren Rat ausgesprochen, dessen Mitglieder mit Zwei-Drittel-Mehrheit bestimmt
werden sollten.
Nach dem Entwurf für den neuen Rat sollen die Aufnahmekriterien verschärft werden, Mitglieder können
ausgeschlossen werden, wenn ihr Umgang mit den Menschenrechten als unannehmbar eingeschätzt wird.
Kofi Annan: Chance für UNO
Trotz ihrer Nein-Stimme zu dem Konzept von Eliasson will die US- Regierung den Menschenrechtsrat unterstützen.
Dies hat Außenministerin Condoleezza Rice nach Angaben der "Washington Post" UNO-Generalsekretär Kofi Annan zuvor
telefonisch versichert. Annan begrüßte die "historische Resolution" als wichtigen Schritt. Das neue Gremium "gibt
den Vereinten Nationen die Chance - die längst überfällige Chance - ihren Einsatz für die Menschenrechte in aller
Welt neu zu beginnen". Vermutlich gebe es kein Land, das allen Paragrafen der Resolution zustimme, räumte Annan
ein. Aber das sei nun einmal die Natur internationaler Verhandlungen.
Annan hob hervor, dass die Vollversammlung ein Mitglied des Menschenrechtsrates jederzeit abwählen könne, wenn es
sich grobe und systematische Menschenrechtsverstöße zu Schulden kommen lasse. Deutschlands UNO-Botschafter
Gunter Pleuger bezeichnete das neue Gremium ebenfalls als Kompromiss. "Es ist aber auf jeden Fall eine
Verbesserung des bisherigen Zustands". Selbstverständlich wäre Deutschland bereit gewesen, dem Menschenrechtsrat
noch mehr Kompetenzen zu geben, sagte Pleuger.
Grüne: Nicht optimal
Die Grünen-Politiker Volker Beck und Jürgen Trittin begrüßten den Beschluss. "Auch wenn der Beschluss nicht
das Maximum dessen enthält, was an Verbesserungen der alten Kommission denkbar gewesen wäre, stellt er dennoch
ein tragfähiges Konzept für einen neuen, effektiveren Menschenrechtsrat dar."
Die Schweizer Außenministerin Micheline Calmy-Rey hieß die Entscheidung am Abend in Bern willkommen. Nach ihren
Angaben werden die Mitglieder des Menschenrechtsrates bereits am 9. Mai 2006 gewählt. Am 19. Juni 2006 soll in Genf die
erste Sitzung stattfinden, mit der die bisherige UN-Menschenrechtskommission abgelöst werde.
Menschenrechtler sehen Fortschritt
Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch nannte die Schaffung des neuen Rates einen "entscheidenden
Fortschritt für den Schutz von Opfern weltweit". Sie rief die UNO-Vollversammlung auf, die besten Kandidaten
aus allen Regionen der Erde auszuwählen und strenge Regularien einzuführen, um das neue UNO-Gremium so
effektiv wie möglich zu machen.
Auch
Amnesty International sprach von einem "Sieg für die Achtung der Menschenrechte".
Die Organisation fordert, die Kandidaten für den neuen Rat spätestens bis zum 8. April aufzustellen,
damit genügend Zeit bis zur Wahl im Mai bleibe.
(j.z., 15.03.2006)
Quelle: ZDF "heute" vom 15.03.2006 mit Material von dpa / AFP
UNO gründet Menschenrechtsrat (03/2006) -
www.heute.de
Barbara Lochbihler über den UN-Menschenrechtsrat (03/2006) -
www.amnesty.de
UN Human Rights Council: A victory for human rights protection (03/2006) -
www.amnesty.org
UNO-Vollversammlung: Ein besonderer Tag (06/2006) -
www.amnesty.de
UN Informationszentrum Westeuropa: Menschenrechte -
www.unric.org
Office of the High Commissioner for Human Rights -
www.ohchr.org
Künftiger Sitz in Genf
Sitz des Menschenrechtsrats, der aus Vertretern von 47 von der UNO-Vollversammlung in
geheimer Wahl bestimmten Ländern bestehen wird, ist Genf.
Obwohl der UN-Beschluss von Kritikern als nicht weitgehend genug bezeichnet
wird, begrüßen sowohl Menschenrechtsorganisationen als auch die
meisten Regierungen die Einrichtung des Rats als einen Fortschritt zur
Förderung und Durchsetzung der Menschenrechte.
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UN-Vollversammlung: Wahl der ersten Mitglieder des UN-Menschenrechtsrats, New York, 09.05.2006 |
Mitglieder des UN-Menschenrechtsrats gewählt
Die UN-Vollversammlung wählte in New York am 9. Mai 2006 in geheimer Wahl die Mitglieder des neuen
Menschenrechtsrats. Durch das Los wurde bestimmt, welche Länder dem Gremium
in der ersten Sitzungsperiode für ein, zwei oder drei Jahre angehören werden. Durch
diese Regelung soll gewährleistet werden, dass nicht alle Mitglieder nach
einer Sitzungsperiode gleichzeitig ausscheiden und dass somit eine gewisse
Kontinuität der Arbeit ermöglicht wird.
Die Wahl einzelner Mitglieder des Rates wurde zum Teil heftig kritisiert, weil sich
darunter - wie schon in der vorhergehenden Menschenrechtskommission - Staaten
befinden, denen schwere Verletzungen der Menschenrechte zugeschrieben werden.
Über die Menschenrechtssituation in den Mitgliedsländern des Rates (und anderen Ländern)
informiert der aktuelle Report von
Amnesty International. Die Defizite in Bezug auf die
Pressefreiheit veranschaulicht ein Schaubild, das auf von
Reporter ohne Grenzen
gesammelten Daten beruht.
(Mai/Juni 2006)
Mitgliedsländer des UN-Menschenrechtsrats (2006) -
Tabelle (pdf)
Pressefreiheit in den Ländern des UN-Menschenrechtsrats -
ROG-Rangliste 2005 (pdf)
Scheinheilige Beschützer (07/2006) -
www.amnesty.de
Weitere Informationen
UN-Menschenrechtsrat auf dem Weg zum Scheitern (12/2008) -
www.reporter-ohne-grenzen.de
United Nations heading for failure (12/2008) -
ROG-Report 2008 (pdf)
UN-Menschenrechtsrat: Zwei zu eins für den Süden (07/2008) -
www.deutsche-welle.de
Abschied einer Kämpferin - Louise Arbour (06/2008) -
www.deutsche-welle.de
Membership of the Human Rights Council -
www2.ohchr.org
UN Menschenrechtsrat demontiert sich selbst (07/2007) -
www.igfm.de
UN will Einhaltung der Menschenrechte regelmäßig kontrollieren (06/2007) -
www.dw-world.de
Menschenrechte müssen in der UNO zum Thema werden (05/2007) -
www.dw-world.de
Citizens of 147 countries appeal to the united nations to maintain ... (05/2007) -
www.amnesty.org
Das Ende der UNO-Kommission für Menschenrechte (03/2006) -
www.heute.de
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