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Menschenrechtlerin Sihem Bensedrine
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Unbeirrbar mutig und
von tiefer Überzeugung geleitet
Sihem Bensedrine will Freiheit für sich selbst
nicht ohne Freiheit für ihre Mitmenschen
Ist schon jeder Journalist, der Behördenwillkür, Korruption sowie andere soziale und politische Missstände
aufdeckt und publik macht, im Sinne
der Menschenrechte tätig, so erfüllt die 56-jährige Tunesierin
Sihem Bensedrine beide Rollen auf geradezu exemplarische Weise.
Seitdem Präsident Ben Ali mit einem Putsch die Staatsgewalt an sich riss, die Demokratisierung Tunesiens
abbrach, politische Gegner ins Gefängnis werfen und foltern ließ, Presse- und Zensurfreiheit aufhob und
andere bürgerliche Freiheitsrechte einschränkte, engagiert sich die Journalistin und Autorin Sihem Bensedrine
in der offiziell nicht anerkannten tunesischen Menschenrechts- und Frauenrechtsbewegung. Nach dem Verbot eines von ihr
gegründeten Verlags sah sie sich vor die Wahl gestellt, sich dem System zu unterwerfen oder zu handeln.
So gab sie die oppositionelle Zeitung "Kalima" (Stimme) heraus, bis auch diese 1999 verboten wurde.
Musste selbst politische Haft und Folter erfahren
Sie musste selbst erfahren, was sie erbittert bekämpfte: politische Haft und Folter. Wiederholt inhaftiert,
wurde sie am Auge und an der Wirbelsäule gefährlich verletzt. Doch sie ließ sich nicht mundtot
machen.
Mit Hilfe von "Reporter ohne Grenzen" brachte sie im Jahr 2000 "Kalima" ins Internet, wo die Zeitung
allerdings nur außerhalb Tunesiens ungefährdet zugänglich ist. So entstand von ihrem Zuhause aus ein
informelles Daten- und Informationsnetz, das im Gegensatz zur tunesischen Regierungspropaganda steht.
Zweimal brachen Beamte des Geheimdienstes bei ihr ein, verwüsteten ihr Büro und raubten das Archiv.
Ihr Mann, selbst ein gewichtiger tunesischer Menschenrechtsverteidiger, wurde gleichfalls schikaniert.
Ihr Haus wurde überwacht, Bekannte und Freunde an Besuchen gehindert.
Im Frühjahr 2006 startete die gelenkte Presse eine wüste Schmäh- und Hetzkampagne gegen die "giftige Viper"
und "Hure", die sich im westlichen Ausland an jeden verkaufe. Die "Schändung ihrer Würde" sagt sie, betrachtete sie
als die äußerste Möglichkeit gegen sie vorzugehen, nachdem ihre öffentliche Bekanntheit
außerhalb Tunesiens gewisse Rückwirkungen auf ihr Heimatland habe.
Wer die kleine, zarte Person mit der leisen Stimme erlebt, fragt sich, woher sie diesen bewundernswerten
Mut und die Kraft für ihren unbeirrbaren Einsatz nimmt. Es ist die tiefe Überzeugung von einer moralischen
Verpflichtung, die einen selbst fast verlegen machen kann.
Will Freiheit für sich selbst nicht ohne Freiheit für ihre Mitmenschen
Sihem Bensedrine will Freiheit für sich selbst, nicht ohne Freiheit für ihre Mitmenschen zu beanspruchen.
Mit ihren Publikationen und Verlautbarungen, u.a. auf einer Vortragsreise durch Europa im Frühjahr 2001,
leuchtete sie hinter die in Europa gern vordergründig wahrgenommene Postkartenansicht vom schönen
Urlaubsland Tunesien. Für sie und ihre Mitstreiter ist es eine geschickt getarnte Diktatur -
nicht zuletzt hinsichtlich der geknebelten Meinungs- und Pressefreiheit.
Nach der Rückkehr aus Europa
2001 wurde sie prompt am Flughafen von Tunis wieder festgenommen, aber zwei Monate später nach massiven
Protesten aus dem In- und Ausland freigelassen.
Vielseitiger Einsatz für die tunesische Autorin
Auch wir haben uns intensiv für die Autorin eingesetzt und sind nach einer Leseveranstaltung mit ihr in Verbindung
geblieben. 2002 wurde sie als "unsere Kandidatin" mit dem neu gegründeten Johann-Palm-Preis für Meinungs- und Pressefreiheit
der Palm-Stiftung in Schorndorf, Baden-Württemberg, bedacht.
2004 haben sie und ihr Mann durch ein Stipendium
der
Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte und mit der Unterstützung des deutschen P.E.N.-Zentrums vorübergehend
Zuflucht und Schutz in Deutschland gefunden. Unbeirrbar verfolgte sie auch hier weiter ihre Arbeit und wagte immer
wieder einen kurzen Abstecher in ihr Heimatland, für das sie eine politische Wende herbeisehnt.
(Beitrag für den AI-Taschenkalender 2007 von Josef Zimmermann,
Sprecher der Gruppe 'AutorInnen und JournalistInnen – Für Meinungsfreiheit')
Sihem Bensedrine erhielt kürzlich den Friedenspreis 2008 der Dänischen Friedensstiftung.
Sie wird derzeit vom P.E.N.-Verband in Österreich betreut.
(zi, 05.03.2008)
Leibesvisitation mit Misshandlung auf dem Flughafen von Tunis (03/2008) -
siehe Tunesien
Kampagnen auf unterstem Niveau (06/2005) -
de.qantara.de
Porträt der Menschenrechtlerin Sihem Bensedrine (03/2004) -
www.amnesty.de
Interview mit Sihem Bensedrine: Unermüdlich für die Menschenrechte (12/2003) -
de.qantara.de
Preisträgerin 2002: Dossier Sihem Bensedrine (12/2002) -
www.palm-stiftung.de
Bedrohte Journalistin (10/2002) -
www.amnesty.de
Sihem Bensedrine: Letztes Tor der Welt (10/2002) -
www.amnesty.de
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Despoten vor Europas Haustür
Warum der Sicherheitswahn den Extremismus schürt
Freiheit und Demokratie in den arabischen Ländern zu fördern, die
Menschenrechte und die Wirtschaft dazu das ist seit der Erklärung
von Barcelona 1995 deklarierte Politik der EU.
Doch inzwischen ist mehr von
Auffanglagern für Asylsuchende in Nordafrika die Rede als von Demokratie
und wirtschaftlicher Entwicklung. Aus Angst vor Einwanderung und islamistischem
Terror unterstützt die EU südlich des Mittelmeers autoritäre
Regimes: Stabilität um jeden Preis ist die neue Politik. Europa hält
sich Despoten vor der Haustür und damit die Probleme vom Hals ist
das nicht eine bewährte Politik? In Wahrheit fördert sie Hass,
Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit und führt
immer tiefer in den Teufelskreis extremistischer Gewalt. Es ist an der Zeit und in unserem ureigensten
Interesse, die politische Heuchelei und eine hochgefährliche
"Sicherheitspolitik" zu beenden. (Antje Kunstmann Verlag)
Sihem Bensedrine und Omar Mestiri.
Aus dem Französischen von Ursel Schäfer.
Verlag Antje Kunstmann, München,
224 Seiten, 2005.
Rezensionen: Despoten vor Europas Haustür (01/2006) -
www.perlentaucher.de
Wider die Despoten vor Europas Haustür (10/2005) -
de.qantara.de
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Besiegte Befreite
Eine arabische Journalistin erlebt den besetzten Irak
Zwei Monate nach dem - offiziellen - Ende des Kriegs reist die tunesische Journalistin und
Menschenrechtsaktivistin Sihem Bensedrine in den Irak. Sie will ihre Freundin Nacera wiederfinden,
eine irakische Ingenieurin, die ihr zwölf Jahre zuvor die Augen über das Regime Saddam Husseins geöffnet hatte.
Aber im "befreiten" Irak bleibt Nacera verschwunden.
Was westlichen Berichterstattern verschlossen bleibt,
erfährt die arabische Journalistin im Gespräch mit den Irakern selbst. Erst durch die "Befreiung" wird für sie
sichtbar, dass die irakische Gesellschaft durch eine 24-jährige Diktatur bis in ihre Tiefenschichten zerstört ist.
Doch die Eindrücke einer Reise in eine von Krieg und Diktatur versehrte Gesellschaft führen Sihem Bensedrine
auch zu einer Konfrontation mit sich selbst. Was ist aus dem Traum von einer "Renaissance der arabischen Welt"
geworden, wie stellt sich die Zukunft anderer arabischer Staaten - wie Syrien oder Tunesien - im Griff einer
brutalen Diktatur dar? (Antje Kunstmann Verlag)
Aus dem Französischen von Ursel Schäfer.
Antje Kunstmann Verlag, München,
128 Seiten, März 2004.
Buchbesprechung: Besiegte Befreite (2004) -
www.zeit.de
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