Bundespräsident Köhler überraschend am AI-Messestand
Amnesty International kann mit ihrem Auftritt auf der Buchmesse zufrieden sein

Am Freitagnachmittag, den
6. Oktober 2006, erschien am Amnesty-Stand plötzlich ein Pulk dunkel gekleideter Herren mit ernsten
Gesichtern und ein Schwarm von Fotografen. Aus ihrer Mitte trat überraschend Bundespräsident
Horst Kühler vor, schüttelte Hände und äußerte lobende und anerkennende Worte über
unsere Organisation und ihre Menschenrechtsarbeit.
Am Messestand, der in enger Zusammenarbeit mit dem Öffentlichkeitsressort der deutschen AI-Sektion (Berlin) und
unserer Koordinationsgruppe für "Verfolgte AutorInnen und JournalistInnen / Für Meinungsfreiheit" (Mainz) organisiert wurde,
drängten sich besonders an den beiden Publikumstagen am Wochenende immer wieder Trauben von
Interessierten, und es gab alle Hände voll zu tun.
Auffallend war die große Zahl jugendlicher Besucher am Stand. Die Figur des Gitarristen, der auf
die "Make-Some-Noise-Kampagne" aufmerksam macht, fehlte wiederholt an den Plakatständern. Für die
beiden vorgelegten Petitionen konnte eine große Zahl von Unterschriften gesammelt werden. Dabei ging es
um Unterstützung für einen mit Mord bedrohten Autor in Bangladesh sowie um einen türkischen
Journalisten und Herausgeber einer Wochenzeitung, der als Streiter für die dortige armenische Minderheit
auf Grund des umstrittenen Artikels 301 der neuen türkischen Strafprozessordnung mit Gefängnishaft und
Publikationsverbot bedroht ist.
(j.z., Oktober 2006)
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Schriftsteller und Journalisten diskutierten auf der Frankfurter
Buchmesse über Vision und Wirklichkeit der Menschenrechte in Indien (vlnr): Ujjwal Bhattacharya,
Mamang Dai, Michael Schied, Roger Willemsen (Moderator), Mahasweta Devi, Uday Prakash.
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AI-Podiumsgespräch: Demokratie mit großen Defiziten
Über die mangelnde Verwirklichung der Menschenrechte auf dem indischen Subkontinent
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Schriftstellerin Mahasweta Devi
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Ein Rollstuhl wird ans Podest geschoben. Helfende Hände stützen die 80-Jährige über die
letzten Schritte. Endlich hat es Mahasweta Devi geschafft. Sofort kehrt Ruhe ein: Erst nach der
Grande Dame der indischen Literatur treten die anderen Teilnehmer der Diskussionsrunde auf, zu der
Amnesty International im Rahmen der Frankfurter Buchmesse geladen hatte: Mamang Dai, Uday Prakash
und Ujjwal Bhattacharya. Nach der Begrüßung durch den Moderator Dr. Roger Willemsen und
einleitenden Ausführungen des Amnesty-Südasienexperten Dr. Michael Schied zum Thema des Podiumsgespräches,
"Die Menschenrechte in Indien - Vision und Wirklichkeit", gibt der Moderator das Wort an Mahasweta Devi
weiter. Sie beginnt nun von ihrem bewegten Leben zu erzählen.
Devi kämpfte aber auch für die Rechte der eingeborenen Stämme im Nordosten Indiens,
deren Leben von Ausbeutung, Verknechtung und Unterdrückung geprägt war. Zeitungsartikel, Bücher
und politischen Aktionen - alle diese Waffen setzte sie unaufhörlich ein. Davon berichtete die
Dichterin auf der Buchmesse in epischer Breite, aber auch mit kraftvoller Sprache in einem Statement,
das mehr als 20 Minuten einnahm. Roger Willemsen ließ ihr das Wort, gewiss aus Respekt vor ihrer
Persönlichkeit, aber auch aufgrund ihres energischen Gestus, sich das Wort auf dem AI-Podium und
vor diesem Publikum nicht nehmen zu lassen. Doch die Zuhörer blieben geduldig. Rund 200 Personen
drängten sich in der Ecke des Forum Dialogs.
Filmemacher und Journalist Uday Prakash |
Lyrikerin und Journalistin Mamang Dai |
Journalist und Autor Ujjwal Bhattacharya |
Bis auf Ujjwal Bhattacharya, der in Deutschland lebt, waren die anderen Schriftsteller und Journalisten
offizielle Mitglieder der indischen Delegation auf der Buchmesse. Trotzdem prangerten sie deutlich die
Missstände in ihrer Heimat an. "Alle fünf Jahre ist bei uns das Volk der Souverän", merkte
Uday Prakash an, "nämlich bei den Wahlen". Ansonsten, so waren sich alle einig, würden die
Exekutive und die örtlichen Gewalten unangefochten das Geschehen dominieren. Massang Dai
ergänzte, dass die Presse zwar relativ frei sei, doch immer wieder Journalisten angegriffen,
erpresst oder unter Druck gesetzt würden. Ujjwal Bhattacharya fügte hinzu, dass gerade
in den indischen Kerngebieten die größte Gefahr von Hindu-Fanatikern ausgehe, die immer
kompromissloser aufträten, um alle Diskussionen zu ersticken. Die Polizei sei fast immer machtlos.
(j.z., Oktober 2006)
Über die Situation der Menschenrechte in Indien (11/2006) -
Königin und Sklaven (pdf)
Weitere Informationen
Indien: Pressefreiheit nur in den Metropolen (10/2006) -
www.dradio.de
Draupadi-Verlag für bengalische Literatur (10/2006) -
de.qantara.de
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