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22. Tübinger
Poetik-Dozentur
November 2008



 

Schriftsteller Kiran Nagarkar


Kiran Nagarkar


Religiöser Fanatiker, Terrorist, Waffenhändler

Der indische Schriftsteller Kiran Nagarkar stellte in zahlreichen deutschen Städten seinen grandiosen
Roman "Gottes kleiner Krieger" vor

Gemeinsam mit den Amnesty-Bezirken Mainz-Wiesbaden und Darmstadt veranstaltete die Sektionskogruppe "Verfolgte AutorenInnen und JournalistenInnen / Für Meinungsfreiheit" im Juni 2007 drei Lesungen mit dem indischen Schriftsteller Kiran Nagarkar, der mit seinem Roman "Gottes kleiner Krieger" auch in Deutschland Aufmerksamkeit erregt hat (siehe amnesty Journal 10/2006). Entsprechend rege war das Publikumsinteresse.

An dem Projekt beteiligt waren die Literaturhäuser von Wiesbaden und Darmstadt. In Mainz fand die Veranstaltung gemeinsam mit dem Landtag Rheinland-Pfalz statt. Die Veranstalter wurden außerdem von der Deutsch-Indischen Gesellschaft in Mainz und Darmstadt unterstützt. Wirkungsvoll umrahmt wurden die Lesungen von den faszinierenden Beiträgen des irakischen Musikers Riad Kheder.

Auch Anliegen und Ziele von Amnesty International

Die Frage, was denn dieser Roman mit den Anliegen und Zielen von Amnesty International zu tun habe, erledigt sich bei der Lektüre sehr schnell. Allein die in die Lesung einbezogene Passage über den weltweit erschreckend verbreiteten Handel mit Kleinwaffen und die bestürzenden Opferzahlen, derentwegen man sie durchaus als "Massenvernichtungswaffen" bezeichnen könnte, bot ein explizites Beispiel für zahlreiche weitere Anknüpfungspunkte.

An allen Ecken und Enden der dramatischen Handlung stößt der ebenso faszinierte wie oft auch bestürzte Leser auf die Thematik von "Menschenrechtsverletzungen", wie das in der versachlichenden Sprache der Menschenrechtsorganisation heißt. Das ist bei dem "großen Thema" des religiösen Fundamentalismus und Extremismus gar nicht anders möglich. Es verdankt aber auch dem geschärften Blick des Autors auf gesellschaftliche wie individuelle menschliche Züge und Verhältnisse, die die Charakteristika unseres Zeitalters bilden: die Ängste und Nöte, das weltweite Elend durch Kriege und politisches Versagen oder Fehlverhalten und die Abgründigkeit des Menschenmöglichen überhaupt.

Das ist nicht "der Stoff, aus dem die Träume sind", wie es in einem berühmten Dichterwort heißt. Aus dem "Repertoire des großen Welttheaters", der Weltwirklichkeit unserer Zeit, aus dem Kiran Nagarkar seine ebenso bedrückende wie aber zuweilen auch spaßig-groteske und insgesamt unterhaltsam spannende Handlung mit dem interessanten fiktiven Personal geschöpft hat, ergeben sich letzten Endes auch die Aspekte und die zahllosen individuellen "Fälle" für unsere alltägliche Kleinarbeit als Menschenrechtsorganisation.

(j.z., 18.06.2007)

Glauben und Grauen (10/2006) - www.amnesty.de

Nagarkar: Lesungen, Verlesungen... und der falsche Krishna (10/2006) - www.sueddeutsche.de

Interview mit Kiran Nagarkar: Einmalig verlogener Unsinn (06/2007) - www.sueddeutsche.de

Porträt Kiran Nagarkar: Ich bin das schwarze Tier (04/2008) - www.zeit.de







Lesung mit Kiran Nagarkar und Ilija Trojanow
im Mainzer Landtag

Eine Gemeinschaftsveranstaltung von dem Landtag Rheinland-Pfalz, der Deutsch-Indischen Gesellschaft Mainz und von Amnesty International


Lesung aus dem Roman von Kiran Nagarkar "Gottes kleiner Krieger", Mainz, 4. Juni 2007 (vlnr): Mainzer Stadtschreiber Ilija Trojanow, Gastautor Kiran Nagarkar, Moderator Peter Ripken (Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika, Frankfurt/Main).


Kiran Nagarkar im Gespräch mit
Amnesty-Gruppenmitglied Knut-Hendrik Schaefer.


Nach der Lesung wurden die Schriftsteller
um zahlreiche Autogramme gebeten.


Für orientalische Klänge sorgte der aus
Bagdad stammende Musiker Riad Kheder

(rg, Juni 2007)



Leseveranstaltung in Darmstadt, 5. Juni 2007 (vlnr): Musiker Riad Kheder, Autor Kiran Nagarkar, Schauspieler Armin Nufer.


Lesung mit Kiran Nagarkar und Armin Nufer
im Literaturhaus Darmstadt

Eine Gemeinschaftsveranstaltung von dem Literaturhaus Darmstadt, der Deutsch-Indischen Gesellschaft Darmstadt/Frankfurt/Main und von Amnesty International


Armin Nufer liest markante Passagen aus dem Roman
"Gottes kleiner Krieger" des Gastautors Kiran Nagarkar.

(rg, Juni 2007)





  • Sieben mal sechs ist dreiundvierzig

    Der erste Roman von Kiran Nagarkar (Original "Saat Sakkam Trechalis")

    Dieser temporeiche und episodenhafte Roman ist voller Humor, Ironie und Lebenshunger. Nach der stark gekürzten englischen Ausgabe liegt mit diesem Buch erstmals eine vollständige Übersetzung des in Marathi, Hindi und Englisch geschriebenen Originals vor.

    Roman. Aus dem Englischen von Giovanni und Ditte Bandini.
    A1 Verlag, München,
    372 Seiten, August 2007.




  • Gottes kleiner Krieger

    "Kiran Nagarkars Reise ins Herz fundamentalistischer Finsternis und in die Psyche eines Fanatikers hat eine Reichweite und Tiefe, die einzigartig ist in der indischen Literatur."
    (Debashish Mukherji, The Week)

    Ein fesselndes Buch, fremd und stark. Weil es, trotz aller Fremdsubstanz, auch "unsere Sache" mitverhandelt. Ein Roman wie ein Felsmassiv, mit vielen Gipfeln und Schründen und Abgründen; eine Hauptfigur mit mindestens vier Leben, eine vielfach hochbegabte Super-Figur, und um sie herum, mit ihr verbunden, eine ebenso erstaunliche Personage, geboren aus überbordender östlicher Fantasie, aber auch verblüffend durchsetzt mit Fakten und Motiven aus westlicher Kultur, westlichem Denken, westlichen Verhältnissen und Lebensweisen. Auch die Dramaturgie der Romanhandlung mutet eher westlich an.

    Ein extremes Buch über einen religiös motivierten Extremisten, der sich "im Namen Gottes" im alleinigen Besitz aller Wahrheit weiß, dessen Schicksal aber immer wieder und auch endgültig das Scheitern ist. Kein "Psychogramm" eines "Gotteskriegers", denn mit der gewohnten peniblen Psychologisierung in unserem literarischen Verständnis seit den Romanen des 18. und 19. Jahrhunderts ist bei dem indischen Autor nicht zu rechnen. Kein exemplarischer Fall eines fanatischen Fundamentalisten, denn einen solchen wie die von Nagarkar vorgeführte Figur hat es nicht gegeben und wird es nicht geben. Gerade dadurch aber schafft sich der Autor die Möglichkeit zu weitreichenden und übergreifenden Reflexionen und visionären positiven wie erschreckend negativen Konstruktionen.

    Denn diese Super-Fiktion und Super-Vision, die nicht einmal frei ist von reißerischen oder auch kolportagehaften Zügen, ist voll von Beobachtungen, Betrachtungen und Erkenntnissen über reale menschliche wie philosophische Aspekte und Tendenzen unserer Zeit, die dem Buch Tiefgang verleihen. Dieser Autor sucht nach Annäherungen an die Wahrheit. Am Ende taucht der faszinierte Leser des fast 700 Seiten umfassenden Romans etwas erschöpft und auch verwirrt, aber ebenso bereichert aus dem Sog dieser Lektüre auf.

    Roman. Aus dem Englischen von Giovanni und Ditte Bandini.
    A1 Verlag, München,
    696 Seiten, September 2006.




  • Ravan & Eddie

    Ein indisches Gesellschaftsbild mit schwarzem Humor

    Ravan und Eddie - das sind zwei Welten, die auf engstem Raum in einem Mietshaus in Bombay, einem Chawl, aufeinander treffen. Ravan, der Sohn aus einer Hindu-Familie, und Eddie, ein portugiesisch-stämmiger Katholik, wachsen in verschiedenen Stockwerken desselben Hauses mit unterschiedlichen Religionen und Kulturen auf. Von klein auf ist das Leben der beiden Jungen schicksalhaft miteinander verbunden. Nagarkar entwirft aus der Perspektive der Heranwachsenden mit feinem, manchmal schwarzem Humor ein vielfältiges indisches Gesellschaftsbild.

    Leichtfüßig führt er durch Katastrophen und kleine Freuden des Alltags, der stets auch große Themen des indischen Lebens berührt: Großfamilie, Existenzkampf, Religion, Film, Modernität und Tradition.

    Roman. Aus dem Englischen von Giovanni und Ditte Bandini.
    A1 Verlag, München,
    395 Seiten, September 2004.




  • Krishnas Schatten

    "Der Gott, die Dichterin und der Maharaja - Kiran Nagarkars Neufassung eines indischen Mythos." (Züricher Zeitung)

    Das rajputische Mewar befindet sich auf dem Gipfel seiner Macht und ist in kriegerische Auseinandersetzungen mit den Sultanaten von Delhi, Gujarat und Malwa verstrickt. Und auch in Mewar selbst wütet ein tödlicher Kampf: Wer wird nach dem Tod des Herrschers den Thron besteigen? Es zeichnen sich Geschehnisse ab, die den Gang der Geschichte ganz Indiens für immer verändern werden.

    Krishnas Schatten erzählt die Geschichte des Maharaj-Kumar, dem Kronprinzen dieses nordindischen Königreiches zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Im Zentrum stehen das Leben des Prinzen und seine schamlose Liebe zu seiner Frau Mirabai, die sich einem anderen versprochen hat. Dieser Liebhaber ist der leichtfertige und betrügerische Gott Krishna, der manchmal auch als politisches Alter Ego des Maharaj-Kumar aufblitzt.

    Roman. Aus dem Englischen von Giovanni und Ditte Bandini.
    A1 Verlag, München,
    720 Seiten, August 2002.


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