Ein spannungsreiches Leben
Armin T. Wegner, Schriftsteller, Pazifist und Menschenrechtsaktivist
Schon 1914, bei Beginn des Ersten Weltkrieges, er war damals 28, schrieb er eine Denkschrift
gegen den Krieg und postulierte ein vereintes Europa. Promoviert hatte er im selben Jahr
"summa cum laude" über das Thema "Der Streik im Strafrecht". Vor Beginn des Krieges Reisen
nach Frankreich und Italien.
Vor dem Studium der Rechte und der Nationalökonomie hatte er eine Ausbildung in der
Landwirtschaft versucht, dann aber auf einer Privatschule sein Abitur nachgeholt.
Das Erlebnis des Völkermords an den Armeniern wirkt ein Leben lang nach
Als freiwilliger Krankenpfleger im Ersten Weltkrieg wurde er in Kleinasien Augenzeuge der
Verfolgung und Vertreibung der Armenier. Er dokumentierte deren Austreibung in die
mesopotamische Wüste unter Gefahr für sein eigenes Leben. Aufgrund seiner Äußerungen
über den Völkermord und gegen den Krieg wurde er aus der "Deutsch-Ottomanischen
Sanitätsmission" entlassen und zwangsweise zur Pflege von Cholerakranken abgestellt.
Statt zu neuem Dienst an der Front abkommandiert zu werden, wird er, vermutlich durch
Fürsprache im Auswärtigen Amt, als Redakteur im "Neuen Orient Institut" eingestellt.
In seinen politischen Ansichten und Aktivitäten erweist er sich weiterhin als eigenwilliger und
unabhängiger Geist. Einerseits unterstützt er die Novemberrevolution 1918 im "Politischen Rat
geistiger Arbeiter", wendet sich aber andererseits in einem Offenen Brief an Karl Liebknecht
gegen die sogenannte "revolutionäre Gewalt".
Engagement für ein Recht auf Kriegsdienstverweigerung
1919 wird Wegner Mitbegünder des "Bundes der Kriegsdienstgegener". Mit einem Brief über
die Verbrechen an dem armenischen Volk wendet er sich an den amerikanischen
Präsidenten Woodrow Wilson. Im selben Jahr erscheint auch sein Buch "Der Weg ohne
Heimkehr" über das gleiche Thema, das ihn nicht loslässt. Beharrlich setzt er sich für
das Schicksal der Armenier ein. Zugleich nimmt ihn seine Tätigkeit als geschäftsführender
Sekretär des "Bundes der Kriegsdienstgegner" in Anspruch, der später zur deutschen Sektion
der "Internationale der Kriegsdienstgegner" wird. Sowohl für das "Neue Orient Institut" wie für
seinen Verlag ist Wegner mit seinen politischen Anschauungen und Aktivitäten eine
unbequeme Person. Beide kündigen ihm die Zusammenarbeit auf. Sein Lyrikband
"Das Antlitz der Städte" wurde gleich nach Erscheinen 1917 von einem preußischen Gericht
wegen "Unsittlichkeit" indiziert.
1920 Heirat mit der Schriftstellerin Lola Landau, mit der er eine Tochter hat, gemeinsame
literarische Projekte betreibt, nach Palästina reist. Wegner ist immer wieder unterwegs,
auf Einladung in Sowjetrussland, in der Türkei, in Mesopotamien, was sich in einer ganzen
Anzahl von Reisebüchern niederschlägt. "Am Kreuzweg der Welten", über eine Reise vom
Kaspischen Meer zum Nil, heute noch lesenswert, wird ein Bestseller bei der "Büchergilde Gutenberg".
Früher Protest gegen die Judenverfolgung in Deutschland
Schon am 11. April 1933 wendet sich Wegner in einem Schreiben gegen die nationalsozialistische
Judenpolitik direkt an Hitler. Bei der Bücherverbrennung im Mai 1933 landen auch seine
Bücher auf dem Scheiterhaufen. Es folgen: Gefängnishaft, Folter, Einlieferung unter anderem
in das Konzentrationslager Oranienburg. 1934 kommt er jedoch frei, nicht zuletzt mit Hilfe
englischer Quäker, die sich für ihn einsetzen. Wiedersehen mit Frau und Tochter in England.
Die Ehe hat jedoch keinen Bestand mehr und wird 1939 geschieden. Lola Landau übersiedelt
mit Tochter Sibylle nach Palästina. Wegner geht ins Exil nach Italien, lebt vorwiegend in Positano.
Neue Verbindung mit der Künstlerin Irene Kowaliska, 1941 Geburt des Sohnes Michele "Mischa",
Heirat 1945. Zwischendurch ist Wegner zwei Jahre lang Lektor für deutsche Literatur an der
Universität Padua.
Makabre Pointe nach dem Zweiten Weltkrieg - und Finale
eines wechselvollen Lebenslaufs
Auf dem deutschen Schriftstellerkongress 1947 in Berlin wurde Wegner für tot erklärt - ein geradezu
"symbolischer" und auch symptomatischer Akt - betraf er doch einen der vielen durch die Nazis
vertriebenen und im Ausland praktisch vergessenen deutschen Schriftsteller! - Erst 1956 kommt
Wegner wieder nach Deutschland, besucht Berlin und seine Geburtstadt Wuppertal. Im gleichen
Jahr Verleihung des Bundesverdienstkreuzes. 1962 verleiht ihm seine Geburtsstadt den
Von-Der-Heydt-Preis. - Was ihn mehr gefreut haben wird, ist sicher die "bleibende Ehrung" als
"Gerechter der Völker" in der Shoa-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem, und die
Auszeichnung mit dem höchsten Orden Armeniens, sowie die Benennung einer Straße in der
Hauptstadt Jerewan nach ihm.
1972 wird der Autor zu einer Lesereise in die USA eingeladen. - 1974 erscheint im Peter Hammer
Verlag, Wuppertal, ein Band mit Lyrik, Prosa und Dokumenten unter dem Titel "Fällst Du, umarme
auch die Erde oder Der Mann, der an das Wort glaubte"; 1976 im gleichen Verlag "Odyssee der
Seele", mit Wiederauflage 2001. - Armin T. Wegner starb am 17. Mai 1978 in Rom.
Das literarische Preisausschreiben 2008 der Armin T. Wegner Gesellschaft Wuppertal, gemeinsam
mit der örtlichen Gruppe von Amnesty International, zum 30. Todestag Wegners, mit dem Thema
"Menschenrechte" - zeitlich passend auch zum 60. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der
Menschenrechte - wird zur Wiedererinnerung an eine als Mensch wie als Schriftsteller
gleichermaßen bemerkenswerten Persönlichkeit und zu einem erneuten Interesse an Wegner und
seinem Werk beitragen können.
(j.z., Juni 2008)
Quelle: Armin T. Wegner Gesellschaft, Wuppertal
30. Todestag eines zu Unrecht vergessenen Dichters
und Menschenrechtsaktivisten
Literaturwettbewerb der Armin T. Wegner Gesellschaft
und Amnesty International Schwelm/Wuppertal
Armin T. Wegener gehört zu den vielen im "Dritten Reich" verfolgten und aus Deutschland
vertriebenen Dichtern, die dann nahezu oder ganz in Vergessenheit gerieten.
Wegener ist aber auch darüber hinaus, abgesehen von seinem interessanten und "spannenden" Lebenslauf,
mit seinem energischen, unerschrockenen Einsatz für Frieden und Menschenrechte eine uns
unmittelbar angehende Persönlichkeit, die es verdient, dem Vergessen entrissen zu werden.
Der von der Armin T. Wegner Gesellschaft in Kooperation mit der Wuppertaler Amnesty-Gruppe
ausgeschriebene literarische Wettbewerb zum Thema "Menschenrechte", auch passend zu
"60 Jahre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte" in diesem Jahr, ist geeignet, dazu
beizutragen.
Armin T. Wegner Gesellschaft und Amnesty International Schwelm/Wuppertal, 01/2008
Armin T. Wegner - Der Literaturwettbewerb (01/2008) -
www.armin-t-wegner.de
Weitere Informationen
Armin T. Wegner: Ein vergessener Bestseller-Dichter -
www.armin-t-wegner.de
Armin T. Wegner: Zivilcourage als Programm -
www.armin-t-wegner.de
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